Angst um Pressefreiheit

Montgomery übernimmt auch Hamburger Morgenpost

Der britische Finanzinvestor David Montgomery hat nach dem Berliner Verlag auch den Verlag der "Hamburger Morgenpost" gekauft. Ein Sprecher Montgomerys teilte mit, die BV Deutsche Zeitungsholding um Montgomery habe am Freitag einen entsprechenden Kaufvertrag mit den bisherigen Eigentümern unterzeichnet. Nach der "Berliner Zeitung" und dem "Berliner Kurier" besitzt die Gruppe damit eine dritte auflagenstarke Tageszeitung. Das Bundeskartellamt muss dem Kauf allerdings noch zustimmen. Der Deutsche Journalistenverband DJV zeigte sich besorgt. "Mit der Hamburger Morgenpost hat Montgomery ein neues Objekt gefunden, das er wirtschaftlich ausbeuten kann", kommentierte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken den Kauf. Montgomerys Prinzip der Gewinnmaximierung sei eine Gefahr für die Zukunft der Morgenpost und ihrer Mitarbeiter. Im Dezember erst hatte Montgomery mitgeteilt, den jährlichen Gewinn des Berliner Verlags auf 21 Prozent steigern zu wollen. Konken forderte die Bundesregierung auf, die Anteile ausländischer Investoren an deutschen Medienunternehmen auf maximal 49 Prozent zu begrenzen.

Ohne eine solche Anteils-Begrenzung werde "der deutsche Medienmarkt zum Spekulationsobjekt ausländischer Finanzhaie, die das deutsche Mediensystem ruinieren", so der DJV-Chef. Auch müsse ein Umdenken bei den deutschen Verlegern stattfinden: Der Gewinn dürfe beim Verkauf von Medienobjekten nicht an vorderster Stelle stehen. Es gehe um Pressefreiheit, Meinungsvielfalt und um viele Jobs.

"Montgomery darf nicht zum Durchmarsch durch die deutsche Zeitungslandschaft eingeladen werden", sagte Konken. Gleichzeitig müssten sich die Investoren aber auch der Verantwortung für ihre Redaktionen stellen und ihre Renditeerwartungen hinter die Sicherung von Arbeitsplätzen und der Meinungsvielfalt in Deutschland zurückstellen.

An der BV Deutsche Zeitungsholding sind u.a. die Investorengruppe Veronis Suhler Stevenson (VSS) und Montgomerys Mecom Group beteiligt. Die bisherigen Eigentümer sollen dem Blatt erhalten bleiben, so die Angaben: Hans Barlach (bisher zehn Prozent der Anteile) bleibe Geschäftsführer und Chefredakteur der "Hamburger Morgenpost" und übernehme zusätzlich Management-Funktionen bei der BV Deutsche Zeitungsholding, und Josef Depenbrock (bisher zu 90 Prozent beteiligt) bleibe Herausgeber und erhalte Anteile an der Holding.

Die Vorsitzende des DJV-Landesverbands Hamburg, Marina Friedt, forderte Montgomery auf, die Vollredaktion der Hamburger Morgenpost zu gewährleisten: "Das Hamburger Traditionsblatt muss seine redaktionelle Eigenständigkeit bewahren."

In Hamburg beherrscht der Axel-Springer-Verlag fast den gesamten Tageszeitungsmarkt: Neben Springer-Zeitungen gibt es nur noch die "Hamburger Morgenpost" - eine Boulevardzeitung, die früher der SPD gehörte - und die norddeutsche Lokalausgabe der Tageszeitung taz.

Im letzten Jahr übernahm Montgomery den Berliner Verlag, zu dem die "Berliner Zeitung" und der "Berliner Kurier" gehören. Montgomery hatte angekündigt, weitere deutsche Zeitungen kaufen zu wollen.

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