Jetzt mit Dampfsperren

Beim Bau des Atomkraftwerks in Finnland soll poröser Beton verwendet worden sein

Medienberichten zufolge wurde beim Neubau des finnischen Atomkraftwerks am finnischen Standort Olkiluoto eine minderwertige Betonqualität verbaut. Dies sei der Grund, warum die Betonierungsarbeiten für das Atomkraftwerk Mitte Januar außerplanmäßig abgebrochen worden seien, wird Projektchef Martin Landtman zitiert. Auch ohne diese Probleme hat der Bau einem Bericht der "tageszeitung" (taz) zufolge schon bisher ein halbes Jahr länger als ursprünglich geplant. Das finnische Atomkraftwerk wird von einem Konsortium der Siemens AG und der französischen Framatome ANP, an der Siemens wiederum beteiligt ist, gebaut. Es handelt sich um den ersten so genannten "Europäischen Druckwasser-Reaktor" (EPR), bei dem verschiedene sicherheitstechnische Schwachstellen der derzeit betriebenen Atomkraftwerke vermieden werden sollen.

Laut Landtman beruhen die Qualitätsprobleme auf einer fehlerhaften Betonmischung, die den Beton zu porös gemacht habe, schreibt die tageszeitung. Dieser könne nun zu viel Feuchtigkeit an sich binden. Eine Gefahr für die künftige Sicherheit oder Standfestigkeit des Atomkraftwerks soll nach Darstellung von Olkiluoto nicht darstellen. Deshalb werde man den für das Fundament bereits verbauten minderwertigen Beton auch nicht wieder entfernen, sondern versuchen, dem Feuchtigkeitsproblem mit zusätzlichen Dampfsperren zu begegnen.

Bisher sind den Angaben zufolge 40.000 der für den Bau geplanten 250.000 Kubikmeter Beton gegossen worden. Dass man erst jetzt auf die fehlerhafte Betonmischung aufmerksam wurde, sehe der Bauherr Teollisuuden Voima (TVO) nicht als ein Problem der Qualitätssicherung an. Vielmehr sprächen die Ereignisse dafür, dass diese funktioniere.

Kritiker hatten von Anfang an Bedenken geäußert, ob der Discount-Festpreis, zu dem Finnland sein fünftes Atomkraftwerk bekommt, nicht zulasten der Qualität gingen, schreibt die tageszeitung weiter. Der jetzt bekannt gewordene "Betonpfusch" sei nicht unbedingt dazu angetan, diese Bedenken zu zerstreuen. Die Atomindustrie sei so sehr daran interessiert gewesen, ein Referenzobjekt des weltweit ersten Prototypen der Reaktorengeneration EPR vorweisen zu können, dass man TVO versprochen habe, einen 1.600-Megawatt-Reaktor für einen angesichts der tatsächlichen Baukosten "unrealistischen Sonderpreis von 3 Milliarden Euro" zu liefern.

Der britische Atomsicherheitsexperte John Large habe in einem Rapport deshalb auch die Sicherheit der geplanten Konstruktion grundsätzlich in Frage gestellt. Die Baugenehmigung sei aufgrund des politischen und wirtschaftlichen Drucks innerhalb von 13 Monaten durchgepeitscht worden, obwohl vergleichbare Genehmigungsverfahren sonst sieben bis acht Jahre in Anspruch genommen hätten.

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