Tausende verölte Vögel
Aktionsplan zur Bekämpfung von Ölverseuchungen in der Ostsee gefordert
Der Verursacher ist nach Angaben des WWF noch unbekannt, die estnische Regierung habe eine Untersuchung eingeleitet. Der Finnische Meerbusen werde pro Monat von 10.000 Schiffen befahren. Zum Zeitpunkt des Ölaustritts hätten ihn etwa 100 Schiffe passiert. Das Öl sei am Dienstag entdeckt worden. Die Behörden hätten das Ausmaß der Katastrophe zunächst unterschätzt. "Wir müssen von mindestens 5.000 qualvoll verendeten Vögeln ausgehen, vielleicht auch noch mehr", sagte WWF-Ostseeexperte Jochen Lamp.
Immer mehr Ölklumpen und verendete Vögel würden angespült, sagte Leena Rappu vom WWF-Partner Estnischer Naturschutzfonds, der die Reinigungsarbeiten unterstützt. "Oft verenden die Tiere in den Händen der Helfer - sie halten den Stress nicht aus und haben Öl geschluckt." Füchse und andere Wildtiere würden die Vögel fressen, das Öl so in die Nahrungskette gelangen. Das ganze Ausmaß der Katastrophe lasse sich derzeit noch nicht einschätzen. Betroffen sei auch das Biosphärenreservat der Insel Saarema, ein wichtiger Anlaufpunkt für Zugvögel.
"Die Ostsee-Staaten verfügen noch immer nicht über die nötige Notfall-Ausrüstung und Aktionspläne zur Bekämpfung von Ölverseuchungen", kritisierte WWF-Experte Lamp. Die Naturschützer mahnen eine umfassende Untersuchung des Vorfalls an. Immer wieder gebe es verantwortungslose Kapitäne, die illegal ihr Altöl ins Meer einleiten oder ein Leck nicht melden. "Für die schwarzen Schafe darf es kein Pardon geben", forderte Lamp.
Auch an der Südwestküste Finnlands wurden nach Angaben des WWF ölverschmutzte Tiere gesichtet. Der WWF forderte die Regierung in Helsinki auf, eine Notfall-Einheit zur Rettung ölverseuchter Vögel einzurichten. "Angesichts des enormen Schiffsverkehrs im Finnischen Meerbusen könnte eine solche Katastrophe jederzeit auch an unserer Küste passieren", warnte Jari Luukkonen, Naturschutzdirektor des WWF Finnland. Die Regierung müsse sich darauf besser vorbereiten.
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