"Hochpreisige Reisen"

EU-Kommission will Wettbewerbsfähigkeit der Tourismusindustrie verbessern

Die Globalisierung, der demografische Wandel und die verkehrstechnischen Entwicklungen sind nach Auffassung der EU-Kommission die treibenden Kräfte für das rasante Wachstum der europäischen Tourismusindustrie. Etwa zwei Millionen Fremdenverkehrsbetriebe beschäftigten rund 4 Prozent aller Arbeitskräfte, was rund acht Millionen Arbeitsplätzen entspreche. Zwar sei Europa die am häufigsten bereiste Region der Welt, doch die Zahl der Besucher aus aller Welt steige langsamer als im internationalen Durchschnitt. "Es entstehen neue, konkurrierende Reiseziele, die den weltweiten Wettbewerb für die EU noch verschärfen", schreibt die Kommission. Angesichts dieser Herausforderungen hat die Kommission einen Vorschlag dazu vorgelegt, "wie sich die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismusindustrie in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit allen Interessengruppen verbessern lässt".

Da in den Augen vieler Touristen Europa als Ganzes ein Reiseziel darstelle, möchte die Kommission die einzelnen Reiseziele in der EU durch ein neues Webportal unter dem Motto "Visit Europe" fördern.

Die für den Tourismus zuständigen Minister trafen am Dienstag in Wien zu einer europäischen Konferenz unter dem Motto "Tourismus - Schlüssel zu Wachstum und Beschäftigung in Europa" zusammen. "Europa ist das weltweit führende Reiseziel. Wir müssen jedoch noch mehr tun, um unseren Wettbewerbsvorteil zu wahren", sagte der Vizepräsident der Kommission, Günter Verheugen. "Mit unseren Vorschlägen geben wir den Mitgliedstaaten europäische Schützenhilfe für ihre eigenen Bemühungen. Sie werden zu einer effizienteren und koordinierteren Förderung Europas als einzigartiges Reiseziel beitragen."

Die EU-Kommission schlägt eine bessere Koordinierung politischer Maßnahmen vor. Damit solle gewährleistet werden, dass politische Initiativen mit Auswirkungen auf den Tourismus die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors nicht beeinträchtigen. Sinnvoll sei auch eine "optimierte Nutzung der bestehenden europäischen Finanzierungsinstrumente". Der Tourismussektor "wird weiterhin umfangreiche Unterstützung durch die verschiedenen europäischen Finanzierungsinstrumente erhalten".

Eine "europäische Agenda 21 für den Tourismus" soll zudem die "Nachhaltigkeit im Tourismus" fördern. Die Rechtsvorschriften, die sich auf die Tourismusindustrie auswirken können, sollen in den Prozess "der besseren Rechtsetzung" einbezogen werden. Zudem schlägt die Kommission "mehr Werbung für europäische Reiseziele" vor. Die Globalisierung biete neue Chancen, "indem sie neue Märkte wie China, Russland und Indien mit zahlungskräftigen Kunden erschließt, die auch hochpreisige Reisen nachfragen".

Der Tourismus wirke sich sektorübergreifend auf zahlreiche andere Wirtschaftszweige wie Verkehr, Bau und Einzelhandel sowie auf die zahlreichen Branchen aus, die Urlaubsprodukte oder mit Urlaubs- oder Geschäftsreisen zusammenhängende Dienstleistungen anbieten. Trotz einiger internationaler Großkonzerne überwiegten die kleinen und mittleren Unternehmen in diesem Sektor.

Die europäische Tourismusindustrie im engsten Sinne erwirtschaftet nach Angaben der EU-Kommission über 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Gemeinschaft. Berücksichtige man noch die Verknüpfungen mit anderen Sektoren, so trage der Tourismus schätzungsweise bis zu 11 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei und beschäftige mehr als 24 Millionen Menschen. Das entspreche 12 Prozent der Arbeitskräfte insgesamt.

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