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BUND kritisiert weitere Entwicklung zur industrialisierten Tierhaltung

"Schweinefabriken"

Die bestehende Bauplanung großer Ställe mit bis zu 100.000 Tierplätzen wird nach Auffassung des für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) dazu führen, dass Deutschland eine neue Rekordzahl bei der Schweinehaltung erreicht. Und dies trotz der Tat­sache, dass rund sechzig Prozent der Landwirte in den letzten zehn Jahren die Schweine­hal­tung aufgegeben habe. Dieses Ergebnis einer eigenen Untersuchung stellte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute in Berlin vor. Da in der EU der Bedarf an Schweine- und Geflügelfleisch bereits ausreich­end gedeckt sei, sich der Trend zur "industrialisierten Tierhaltung" jedoch weiter verstärke, werde in der Folge der Export deutscher Fleischprodukte in Länder außer­halb der EU zunehmen. Der BUND warnte in diesem Zusam­men­hang vor einer Absenkung der ohne­hin schon geringen Umweltstandards für den Betrieb industrieller Tierhaltungsanlagen, da die riesi­gen Ställe Probleme bei der Gülleentsorgung hätten.

"Die Fleischberge werden exportiert und die Gülle­seen bleiben zurück", so Hubert Weiger vom BUND. "Damit wird das Problem der Nitratbelastung des Grundwassers und der Ammoniak­emissionen weiter verschärft. Den Schweinebaronen werden von Bund und Ländern rote Teppiche ausgerollt, unter die man die Interessen der Bauern und der Umwelt kehrt. Tier- und umwelt­gerechte Agrarbetriebe unterliegen dem Druck globaler Fleischkonzerne und müssen aufge­ben." Landwirt­schafts­minister Seehofer solle zukunftsfähige Standards verteidigen und dürfe sich nicht "von den Interessen der Agrarindustrie instrumentalisie­ren" lassen.

Mit Investitionsbeihilfen und Erleichterungen bei der Genehmigung von Großmastanlagen werde der Trend zur industriellen Tierhaltung gefördert. In diesen Anlagen würden die Tiere nicht artgerecht gehal­ten. Die Bedingungen in den Fleischfabriken führten außerdem zu einem erhöhten Medi­ka­menten­einsatz. Als Leistungsförderer seien Antibiotika zwar verboten. Für 80 Prozent treffe dies jedoch nicht zu, da sie zu Therapiezwecken eingesetzt würden. Der Nachweis von Antibi­o­tika in Salat und Getreide von Feldern, die mit Schweinegülle gedüngt wurden, seien ein Beleg für die Risiken der industriellen Tierhaltung.

Der BUND forderte, Agrarfabriken über den Umweg der Exportbeihilfen nicht weiter zu fördern. Land­wirten mit umwelt- und tiergerechter Erzeugung, dem Öko­landbau und Direkt­vermarktern von Fleisch aus artgerechter Haltung würde die staatliche Unterstützung entzogen. Dies sei ein Skandal. Subventio­nen seien stattdessen an solche Tierschutzstan­dards und Umweltauflagen zu binden, die über den ge­setz­lichen Mindestanforderungen lägen. Erforderlich sei eine tierge­rech­te Verordnung zur Schweinehal­tung und die Beibehaltung des Käfigverbots für Legehen­nen. Außerdem müsse das Recht auf umfas­sen­de Information über alle Daten der Agrar- und Ernährungsindustrie ausgebaut werden.

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