RWE-Hauptversammlung

"Kohlendioxidfreie Kohlekraftwerke gibt es nicht"

Der Energiekonzern RWE setzt weiterhin auf den Bau von Kohle-Großkraftwerken. Mit Pilotprojekten verheißt der Konzern eine Kohlendioxid-freie Zukunft: "Das Herzstück unserer Innovationsoffensive ist das erste großtechnische CO2-freie Kohlekraftwerk der Welt mit einer Leistung von 450 Megawatt, das 2014 ans Netz gehen soll und dabei auch die Frage nach der Speicherung des anfallenden CO2 lösen wird", sagte Konzernchef Harry Roels am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE. Die geschätzten Kosten für das Kraftwerk, den Transport und die Speicherung beliefen sich auf rund 1 Milliarde Euro. "Kohlendioxidfreie Kohlekraftwerke und saubere Kohle gibt es nicht", meint hingegen Gabriela von Goerne von Greenpeace. "In dem geplanten Kraftwerk sollen die Millionen Tonnen Kohlendioxid nicht vermieden, sondern Jahr für Jahr in den Untergrund gepumpt und dort dauerhaft gelagert werden." Niemand könne garantieren, dass das Gas über Tausende von Jahren dort bleibe.

RWE ist nach Darstellung von Roels das einzige Unternehmen, das das Kraftwerks- und Kohlevergasungs-Know-how und das "Basiswissen" für die Speicherung im eigenen Haus hat. "Die Realisierung des Projektes stellt einen Quantensprung in der Kohleverstromung dar." Erreichen könne der Energiekonzern dieses Ziel allerdings nur, "wenn die Politik und die Genehmigungsbehörden uns die notwendige Unterstützung geben". Man prüfe auch ein Projekt für "CO2-freie" Kraftwerkstechnologie für den englischen Markt.

Nach Darstellung von Greenpeace ist bei dem Projekt der Kohlendioxid-Speicherung "eine aufwändige Überwachung notwendig, deren Kosten wohl auch wieder die Allgemeinheit tragen soll". Das Geld für die Entwicklung der Technik wäre nach Auffassung der Organisation besser in Erneuerbare Energien investiert. "Die sind bereits heute ohne Risiken verfügbar und leisten einen immer größeren Beitrag zum Klimaschutz."

"Die Pläne für diese angeblich sauberen Kraftwerke, die RWE und andere Energiekonzerne präsentieren, sollen den Menschen ein Engagement für den Schutz des Klimas vortäuschen", meint von Goerne. Gleichzeitig treibe RWE den Bau "von Europas größter Kohlendioxidschleuder in Neurath" voran. Dafür habe der Konzern auch noch "Sonderregelungen" von Umweltminister Sigmar Gabriel erhalten "für eine lang andauernde, großzügige und kostenlose Zuteilung von Verschmutzungsrechten auf Kosten der Steuerzahler und Stromkunden."

Auch der Umweltverband WWF Deutschland wirft dem Stromversorger vor, dass er Profite auf Kosten der Umwelt mache. "RWE ist der größte privatwirtschaftliche Kohlendioxid-Emittent in Europa", sagte Matthias Kopp vom WWF. Die Kraftwerke des Unternehmens setzten überwiegend "auf zwei Brennstoffe mit extrem hohem Risikoprofil: Braunkohle und Uran". Nach Einschätzung des WWF ist dies ein extrem riskantes Geschäftsmodell, das mittelfristig den Aktienkurs des Unternehmens negativ beeinträchtigen könnte. RWE setze weiter "auf besonders klimaschädliche Kohlekraftwerke mit Laufzeiten von rund 40 Jahren".

Neue Kontrolleure des RWE-Vorstandes

Auf der RWE-Hauptversammlung wurden am Donnerstag auch die Vertreter der Anteilseigner in den Aufsichtsrat gewählt. Zu den Kontrolleuren des Vorstandes zählen Paul Achleitner vom Vorstand der Allianz AG und das ehemalige Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, Carl-Ludwig von Boehm-Bezing. Auch der Vorstandsvorsitzende der WestLB, Thomas R. Fischer, wurde in den Aufsichtsrat gewählt.

Mit Manfred Schneider sitzt auch der Aufsichtsratschef der Bayer AG im RWE-Aufsichtsrat. Weiterhin wurde der Vorstandsvorsitzende der ThyssenKrupp AG, Ekkehard D. Schulz, sowie Karel Van Miert, Professor der Universität Nyenrode, gewählt.

Als Kommunalvertreter sitzen der ehemalige Oberkreisdirektor des Landkreis Osnabrück, Heinz-Eberhard Holl, der Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, Gerhard Langemeyer, die Oberbürgermeisterin der Stadt Mülheim an der Ruhr, Dagmar Mühlenfeld, und der Oberbürgermeister von Essen, Wolfgang Reiniger, im künftigen Aufsichtsrat von RWE.

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