WTO-Rat
Kleinbauern protestieren gegen Marktöffnung und Freihandel im Agrarsektor
"Gemeinsam mit vielen anderen Organisationen in Nord und Süd fordern wir deshalb den Stopp der WTO-Agrarverhandlungen und einen Paradigmenwechsel in der internationalen Agrarpolitik", so Schuler. "Ziel muss die Bekämpfung von Hunger sein, keinesfalls die Förderung des Freihandels im Interesse des Profits."
Für den überwiegenden Teil der Entwicklungsländer sei in den WTO-Verhandlungen nichts zu gewinnen. Selbst eine neue Studie der Weltbank zeige, dass das durch die aktuelle WTO-Runde prognostizierte Wachstum weit unter den ursprünglichen Berechnungen liege. 2003 sei die Weltbank noch davon ausgegangen, dass die Gewinne für die Entwicklungsländer bei 539 Milliarden liegen würden. Jetzt prognostizierten ihre neuen Zahlen lediglich Gewinne von 90 Milliarden US-Dollar. Zudem: Rund die Hälfte dieser Zuwächse verteilten sich auf gerade mal acht Länder.
"Auch offizielle Prognosen zeigen somit, dass Liberalisierungen durch die WTO nur einer kleinen Zahl von Ländern zugute kommen", meint Alexis Passadakis von der Entwicklungsorganisation WEED. "Außerdem verschweigen diese Zahlen, dass es vor allem die Wohlhabenden in diesen Ländern sind, die von diesem Wachstum profitieren. Die Armen gehen leer aus."
Eine neue Studie der US-Stiftung Carnegie Endownment for International Peace zeige darüber hinaus, dass die Volkswirtschaften der besonders armen Länder Subsahara-Afrikas durch Liberalisierung im Industriegüter- und Agrarbereich schrumpfen würden. "Die Armen bekommen nicht nur nichts, ihnen wird die Chance auf Entwicklung genommen. Die Realität wird allerdings noch verheerender, da die Verluste der Entwicklungsländer durch das GATS und TRIPS noch nicht einberechnet sind. Die Schrumpfung beträfe dann auch Lateinamerika", so Passadakis.
Bis Mitte Juni soll die aktuelle WTO–Verhandlungsrunde in ihren wesentlichen Teilen abgeschlossen sein. "Eine Abkehr vom Liberalisierungsdogma ist dabei nicht in Sicht. Die dominanten Mächte in der WTO, darunter auch die EU, werden in der verbleibenden Zeit ihre Interessen rücksichtslos durchsetzen - trotz entwicklungsfreundlicher Rhetorik", kritisiert Passadakis.
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