"Historische Streikwelle"
Mehr als 12.000 Ärzte bundesweit im Ausstand
Der Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring (CDU), sagte, die Arbeitgeberseite habe sich bei der letzten Verhandlungsrunde kräftig bewegt und Gehaltserhöhungen von 15 bis 16 Prozent angeboten. Nun sei eine "Schmerzgrenze" erreicht. Das letzte Spitzengespräch zwischen der Tarifgemeinschaft und dem Marburger Bund war Ende vergangener Woche den Angaben zufolge "ohne Ergebnisse" zu Ende gegangen.
Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, meint hingegen, es handele sich - wenn die Streichung des Weihnachtsgeldes mit einbezogen werde - lediglich gerade mal um eine Gehaltssteigerung von 1,1 Prozent. Junge Ärzte würden sogar zehn Prozent weniger bekommen als vorher, ältere zehn Prozent mehr. Doch gebe es an den Universitätskliniken nur wenige ältere Mediziner im Angestelltenverhältnis, aber ganz viele junge. Die "Bauernschläue" von Möllring müsse daher "mit einer beispiellosen Streikwelle" beantwortet werden.
Nachdem die Länder den Ärzten in den vergangenen Jahren das Gehalt um weit über 30 Prozent gekürzt hätten, so Montgomery, sei das jüngste Arbeitgeberangebot "schlichtweg eine Unverschämtheit". Trotz verhärteter Fronten zeigte sich Montgomery grundsätzlich verhandlungsbereit. Voraussetzung sei ein "anständiges Angebot" der Arbeitgeber.
Am Dienstag werden die Gespräche in Baden-Württemberg fortgesetzt. Seit gut zwei Monaten demonstrieren die Klinikärzte für deutliche Gehaltssteigerungen und bessere Arbeitsbedingungen. Am Montag begann ein einwöchiger Ausstand, der vom Marburger Bund als "historische Streikwelle" bezeichnet wird. Am Dienstag wollen mehrere tausend Ärzte von Universitätskliniken aus ganz Deutschland in Münster auf die Straße gehen. Der Marburger Bund rechnet mit rund 6000 Teilnehmern.
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