Kritische Aktionäre
Commerzbank muss Fragen zu bulgarischem Atomkraftwerk beantworten
Das "Interesse" der Commerzbank ärgert Heffa Schücking: "Die Commerzbank stellt sich ihren Aktionären gegenüber gerne als besonders verantwortlich und umweltbewusst dar und weist auf ihr großes Engagement im Windkraftbereich hin." Mit ihrem Interesse am Bau eines Risikoreaktors in Bulgarien zeige sie jetzt, "wie deutlich Anspruch und Wirklichkeit auseinander klaffen".
Das Atomkraftwerk Belene wurde in den 1980er Jahren an der Donau geplant. Der Bau wurde 1985 begonnen, aber wegen Umweltprotesten, mangelnder Wirtschaftlichkeit und Sicherheitsbedenken 1992 gestoppt. Seit 2003 verfolgt die bulgarische Regierung das Projekt erneut.
Inzwischen klagen bulgarische Nichtregierungsorganisationen gegen die Genehmigung für Belene. Um den Bau des AKW bewerben sich zwei Konsortien: Der russische Kraftwerksbauer Atomstroyeksport bietet gemeinsam mit dem französisch-deutschen Atomkonzern Framatome, an dem die deutsche Siemens AG mit 34 Prozent beteiligt ist. Ebenso hat die tschechische Skoda Allianz ein Angebot eingereicht. Der russische Konzern Gazprom hält bedeutende Anteile an beiden Konsortien.
Anfang März kam es im bisher einzigen bulgarischen Atomkraftwerksstandort in Kosloduj zu einem Störfall: eine Hauptkühlmittelpumpe fiel aus und das Schnellabschaltsystem versagte. Die Behörden versuchten, den Unfall zu vertuschen.
Die Commerzbank sitzt auf ihrer Hauptversammlung allerdings nicht nur wegen der Atomenergie "auf der Anklagebank" kritischer Aktionäre. Die Aktionärin Dorothea Kerschgens wirft der Commerzbank zudem vor, dass sich die Großbank "seit Jahren dem Prozess von Apartheidopfern" widersetze. Die südafrikanische Menschenrechtsorganisation Khulumani habe in New York einen Prozess angestrengt, um Entschädigung für die Opfer von Apartheid zu erwirken. Die Commerzbank stehe jedoch "nicht zu ihrer Verantwortung in den 70er bis 90er Jahren".
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