Klimawandel
Umweltminister Gabriel plädiert für neue Kohlekraftwerke
Nach der Vorstellung von Gabriel soll bis 2020 ein Viertel des Strombedarfs in Deutschland durch erneuerbare Energien wie Wasser-, Wind-, oder Sonnenkraft gedeckt werden. "Für den verbleibenden Anteil brauchen wir hocheffiziente Kohle- und Gaskraftwerke", meint der Minister und sprach zugleich von "aktivem Klimaschutz". Dieser bringe "Wettbewerbsvorteile" und schaffe Arbeitsplätze.
Die Vorstellungen des Umweltministers kommen den großen Energiekonzernen entgehen. Diese bauen oder planen derzeit 20 fossile Großkraftwerke auf der Basis von Braunkohle, Steinkohle und Erdgas und erwarten hierbei entsprechende Rückendeckung von der Politik: "Die Stromwirtschaft vertraut bei ihren Planungen darauf, dass die Politik mit langfristig verlässlichen Rahmenbedingungen ein solides Fundament für die Investitionen bietet", hatte VDEW-Hauptgeschäftsführer Roger Kohlmann kürzlich gefordert.
EUROSOLAR hingegen hält auf der Basis des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bis 2020 eine Stromerzeugung ohne Atomkraftwerke und mit nur noch wenigen alten fossilen Großkraftwerke für möglich. Die erneuerbaren Energien könnten laut EUROSOLAR-Studie schon im Jahr 2012 mit 20 Prozent zur Stromerzeugung beitragen. Man müsse nur das derzeitige jährliche Einführungstempo beibehalten. Bis 2020 seien dann weitaus höhere Anteile erreichbar. Auf den Neubau fossiler Großkraftwerke - wie von den großen Energiekonzernen geplant - kann nach Auffassung des Verbandes verzichtet werden.
30 Prozent des derzeitigen Stromverbrauchs - so viel wie die deutschen Atomkraftwerke zur Versorgung beitragen - könne man allein durch die Windenergie decken. Nach Darstellung von EUROSOLAR-Präsident Hermann Scheer könnte man mit 20.000 neuen Windkraftanlagen mit einer Kapazität von jeweils 4,5 Megewatt eine Gesamtstrommenge von 200 Milliarden Kilowattstunden erzeugen. Die Leistungsklasse dieser Windkraftanlagen sei "teilweise auch grundlastfähig".
Ein derartiger Ausbau der Windenergie in Deutschland hält Scheer für gut machbar. Er verweist darauf, dass in Deutschland über 200.000 Hochspannungsmasten stünden, von denen sogar ein Großteil abgebaut werden könne, "wenn Großkraftwerke durch Windkraftanlagen und andere Anlagen erneuerbarer Energien ersetzt werden". "Die ambitionierte Windkraftnutzung führt also zu Landschaftsgewinnen", so Scheer.
Politische Voraussetzung dafür sei, die Planungshemmnisse zu beseitigen, "die vielerorts willkürlich den Bau von Windkraftanlagen verhindern und dabei insbesondere Nabenhöhen für Windkraftanlagen der 4,5 Megawatt-Klasse ausschließen". Windkraftanlagen dieser Größe hätten eine höhere "Anlagen- und Standorteffizienz". Scheer plädiert für eine "Standortrahmenplanung" für Windkraftanlagen, die "alle windgünstigen Standorte entlang der Bundesfernstraßen und der Eisenbahnlinien" erfasse und zu Vorranggebieten mache.
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