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Hitzewelle führt offenbar zu Preisexplosion für Atom- und Kohlestrom

Gegenschlag der Atomkraftgegner

Atomkraftgegner und Solarenergie-Befürworter holen zum Gegenschlag aus. Nachdem ihnen jahrelang von den Energiekonzernen vorgehalten wurde, Solar- und Windkraftanlagen würden nicht kontinuierlich Strom ins Netz einspeisen, weisen sie nun genüßlich ihrerseits auf die Probleme der Großkraftwerke mit der Sommerhitze hin. Wie schon 2003 müssten gegenwärtig mehrere Atom- und Kohlekraftwerke den Betrieb massiv drosseln. Der Preis für Strom aus konventionellen Kraftwerken in Deutschland sei innerhalb weniger Tage um 600 Prozent gestiegen.

"Während Solaranlagen im Sommer auf Hochtouren arbeiten, müssen wassergekühlte Großkraftwerke ihre Stromproduktion wegen der Hitze drosseln und sorgen damit für massiv steigende Preise", heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, des Bundesverbandes Solarwirtschaft, der Informationskampagne für Erneuerbare Energien und der Deutschen Umwelthilfe. "Für den Strom aus Uran und Kohle mussten am heutigen heißesten Tag des Jahres an der Strombörse im Schnitt 30,2 Cent pro Kilowattstunde gezahlt werden, während der Tagesstunden sogar über 54 Cent." Zum Vergleich: Der deutsche Mix aus Erneuerbaren Energien wie Wind, Biogas oder Solar werde den Verbrauchern aktuell mit etwa 11 Cent pro Kilowattstunde zur Verfügung gestellt.

"Klimaforscher prognostizieren uns für die nächsten Jahrzehnte immer häufigere Hitzewellen und Dürreperioden. Konventionelle Großkraftwerke, die auf Kühlwasser angewiesen sind, stellen dann extrem unsichere Stromlieferanten dar", meint Milan Nitzschke vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE). Zusammen mit der gleichzeitig steigenden Stromnachfrage für Kühlung und Klimaanlagen seien "explodierende Strompreise vorgezeichnet". Kraftwerke auf Basis der Erneuerbaren Energien seien dagegen unabhängig von Kühlwasser. Ihr zunehmender Anteil begrenze daher die Strompreisexplosion.

Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) sei Solarstrom erstmals preiswerter als konventioneller Spitzenlaststrom. Solaranlagen würden genau dann auf Hochtouren arbeiten, wenn die herkömmliche Stromproduktion am teuersten sei. In Deutschland seien derzeit fast 2.000 Megawatt Solarstrom am Netz, die derzeit etwa so viel produzierten wie zwei Atom- oder Braunkohlemeiler.

"Atomstrom ist weder sicher noch unbegrenzt verfügbar, weder billig noch umweltschonend", so Cornelia Ziehm von der Deutschen Umwelthilfe unter Verweis auf die sommerlichen Probleme der Atomindustrie. Die nächsten Preiserhöhungen für die Verbraucher seien absehbar. Wie schon 2003 müssten gegenwärtig mehrere Atom- und Kohlekraftwerke den Betrieb massiv drosseln, weil sie nicht mehr genügend Kühlwasser zur Verfügung haben.

Auch während der so genannten Jahresrevisionen stehen Atomkraftwerke zur Wartung häufig bis zu vier Wochen lang still und produzieren in dieser Zeit keinen Strom.

"Die Verdunstungsmenge der Kohle- und Atomkraftwerke in Deutschland übersteigt sogar noch die derzeitige Abflussmenge der Elbe bei Hamburg", so Ziehm. "Gleichzeitig werden die Flüsse durch die Einleitung von warmem Kühlwasser aufgeheizt und die Wasserqualität verschlechtert." Besonders kritisch seien aktuell erteilte Sondergenehmigungen, mit denen die zulässige Erwärmungstemperatur noch heraufgesetzt werde. Dadurch sinke der Sauerstoffgehalt in den Flüssen. Fische und Pflanzen seien dadurch bedroht.

Schmack-Biogas AG: "Im Mix können die Erneuerbaren Energien den Strombedarf zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter decken"

Demgegenüber sei die Verfügbarkeit von Erneuerbaren Energien klar kalkulierbar. Ulrich Schmack, Vorstand des Anlagenherstellers Schmack-Biogas AG: "Im Mix können die Erneuerbaren Energien den Strombedarf zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter decken. Da, wo beispielsweise der Wind mal nicht weht oder die Sonne nicht scheint, springt Biogas ein."

Die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien sei innerhalb der letzten sechs Jahre verdoppelt worden. Auch die laut "Atomkonsens" vorgesehene schrittweise Abschaltung von Atomkraftwerken werde mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien mehr als vollständig kompensiert.

Teurer werde es für die Verbraucher dadurch nicht, so Schmack. Grund: "Die Kosten für Strom aus Erneuerbaren Energien sind gesetzlich geregelt und werden jedes Jahr gesenkt." Genauso wie fest verzinsliche Papiere zu einem ausgewogenen Wertpapierportfolio gehören, so senke ein wachsender Anteil von Strom aus Erneuerbaren Energien die Preisrisiken der konventionellen Kraftwerke und Brennstoffe.

VDEW: "Hinzu kommt bei diesem Wetter, dass der Wind ausbleibt und damit zahlreiche Windkraftwerke still stehen"

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), der hauptsächlich die Interessen der großen Stromkonzerne vertritt, betonte hingegen die Probleme von Wasserkraftwerken, Windkraftanlagen und Großkraftwerken ohne Kühltürme - insbesondere "im Süden Europas".

Mit der Hitze zu kämpfen hätten Kraftwerke, die keine Kühltürme haben, sondern mit Flusswasser kühlen. Die Flüsse dürften aus ökologischen Gründen "zum Beispiel in Deutschland" nur bis maximal 30 Grad erwärmt werden. Das geringe Wasserangebot vermindere auch die Produktion der Wasserkraftwerke. "Hinzu kommt bei diesem Wetter, dass der Wind ausbleibt und damit zahlreiche Windkraftwerke still stehen", sagte VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller, ohne hierbei allerdings auf das Argument des Mixes verschiedener erneuerbarer Energien einzugehen.

"Die Stromversorgung ist in Deutschland trotz des extremen Wetters stabil", betonte Meller. Die rund 1.000 Stromunternehmen täten alles, "um Störungen zu vermeiden". Nach den Erfahrungen aus vergangenen Sommern sei der Anstieg beim Stromverbrauch hierzulande nur gering.

Im Vergleich zu anderen Jahren sei der deutsche Stromverbrauch zum Beispiel im Rekordsommer 2003 um rund ein Prozent gestiegen. "Die verstärkte Nutzung von Klima- und Kühlgeräten wird von Effekten durch die Haupturlaubszeit nahezu aufgehoben", so Meller.

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