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Beteiligung deutscher Konzerne am Bau eines südafrikanischen Atomkraftwerks

Thorium Hochtemperaturreaktor

Nach Angaben der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm wollen sich mehrere deutsche Unternehmen am Bau eines neuen Atomkraftwerks in Südafrika beteiligen. In ein bis zwei Jahren soll dort ein so genannter Thorium Hochtemperaturreaktor (THTR) gebaut werden. Ein vergleichbarer Atomreaktor war auch im deutschen Hamm-Uentrop 1987 in Betrieb gegangen und schon im September 1988 nach zahlreichen Störfällen wieder stillgelegt worden. Die vor wenigen Monaten von RWE an Advent verkaufte Atomfirma Nukem will nach Angaben der Bürgerinitiative das Basic Engineering einschließlich der Störfallanalysen für den südafrikanischen "Pebble Bed Modular Reactor" (PBMR) zur Verfügung stellen. Die zum Baukonzern Bilfinger Berger gehörende EHR wolle Röhren für den Atomreaktor liefern. Die zu ThyssenKrupp gehörende Uhde GmbH will den Angaben zufolge Teile der nuklearen Brennelementefabrik bauen.

"EHR goes South Africa" verkünde die Hochdruck-Rohrleitungsbau GmbH (EHR) in ihrer Mitarbeiterzeitung (1/2006). Gefeiert werde ein Vertragsabschluss für den Export von Röhren für den Pebble Bed Modular Reactor (PBMR) nach Kapstadt in Südafrika. Die EHR-Mitarbeiterzeitung verweise auf alte Beziehungen nach Südafrika: "Für den EHR ist es kein Sprung ins kalte Wasser, so Chief Executive Officer Ronald Diehl, da man auf die umfangreichen Erfahrungen der ehemaligen Muttergesellschaft Mannesmann Anlagenbau zurückgreifen kann, die Hochdruckrohrleitungen in mehreren Kraftwerken der Region geplant und realisiert hat." Damit sei damals "das Terrorregime des Apartheidstaates" gestützt worden, kritisiert die Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm.

Auf der Firmenhomepage verweist EHR auf seine "Kern-Kompetenz" im Bereich der Nukleartechnik: "Seit der EHR Aktivitäten, Know-how und Mitarbeiter der ehemaligen Mannesmann Anlagenbau AG übernommen hat, sind wir in hervorragender Weise auf die besonderen Anforderungen in der Nukleartechnik eingestellt. Unsere Spezialisten waren am Ausbau der Kernenergie in Deutschland maßgeblich beteiligt durch die Planung, Berechnung, Konstruktion, Beschaffung, Lieferung, Vorfertigung, Montage und Dokumentation der Rohrleitungssysteme. Darüber hinaus haben sie Aufträge für Kernkraftwerke auf der ganzen Welt souverän abgewickelt."

Im Januar 2006 sei das Unternehmen "mit der Eröffnung einer Niederlassung in den wieder auflebenden Energieversorgungsmarkt Süd-Afrikas eingestiegen", heißt es auf der Website von EHR. Aktuell gebe es bereits eine Reihe von Aufträgen und Anfragen für die Hochtemperatur-Rohrleitungssysteme im PBMR-Projekt (Pebble Bed Modular Reactor) des Landes. EHR South Africa Piping Systems werde zu 39 Prozent von der Essener Muttergesellschaft über EHR German Piping Systems, zu 33 Prozent vom lokalen Unternehmen KOG Fabrications und zu 28 Prozent von der örtlichen Geschäftsführerin Shirley Chaukes gehalten. "So ist die Leistungsfähigkeit und die Umsetzung des EHR-Know-hows vor Ort gesichert." In einem Ausbildungs- und Trainingsprojekt sollen afrikanische Mitarbeiter im Unternehmen qualifiziert werden. Zudem schreibt das Unternehmen, dass man in Südafrika dem Beginn der Aktivitäten des EHR sehr positiv entgegensehe. Im März 2006 bezifferte der südafrikanische Wirtschaftsinformationsdienst "Engineering News, Mining Weekly and Polity" das vereinbarte Auftragsvolumen mit über 100 Millionen Euro.

Die immer umfassenderen geschäftlichen Aktivitäten und der erhöhte Finanzbedarf führten jüngst zu neuen Konzentrationsprozessen in der Branche. Die Bilfinger Berger AG, Mannheim, wird nach der Zustimmung des Kartellamtes vom 16. Juni 2006 die Nuklearfirma EHR "als führenden Anbieter von Hochdruckrohrleitungssystemen für Kraftwerke und Industrieanlagen in Europa" übernehmen. Bilfinger Berger AG kommentierte die Übernahme von EHR wie folgt: "Mit dieser Aquisition kann der Konzern bei komplexen Rohrleitungssystemen die gesamte Wertschöpfungskette von Planung, Lieferung und Montage bis zur Wartung, Instandhaltung und Revision aus einer Hand anbieten."

Beteiligung am Atomkraftwerks-Neubau in Finnland

Als direkter Nachfolger des Mannesmann Anlagenbaus ist EHR eigenen Angaben zufolge auch am größten zur Zeit im Bau befindlichen Kernkraftwerk "Olkiluoto-3" in Finnland beteiligt, welches federführend von Framatome und Siemens errichtet wird. Die von Siemens PG ausgeschriebenen Hochdruckrohrleitungen für das LOS 1 im Maschinenhaus (Turbine Island) wurden Anfang März 2005 an das Konsortium EHR/BBS vergeben, heißt es auf der Website von EHR. "Es handelt sich hierbei um die Frischdampf- und Speisewasserleitungen mit einer Gesamttonnage von 1.450 Tonnen und umfasst das Detail Engineering, Lieferung, Vorfertigung und die Montage." Der Montagebeginn sei im Juli 2006 und werde im Dezember 2007 abgeschlossen sein. Angefragt wurde bei EHR ebenfalls schon wegen Rohrleitungen für den möglichen Neubau eines Atomkraftwerks vom gleichen Typ, einem "Europäischen Druckwasser-Reaktor" (EPR) im französischen Flamanville.

"Verschlafene Umweltschützer" und ein "vermeintlicher Atomausstieg"

"Wer hätte das gedacht?", schreibt die Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm. "Während in Deutschland sich die übergroße Mehrheit der verschlafenen 'Umweltschützer' durch einen vermeintlichen Atomausstieg in falscher Sicherheit wiegt, werden mit bewundernswerter Gradlinigkeit und Konsequenz Fakten geschaffen, denen eine nationalstaatliche Politik nicht viel anhaben kann und die ihr Ziel auch über Jahrzehnte hinweg niemals aus den Augen verliert."

"Und weil so ein nukleares Wirken nicht hingenommen werden darf, bekommt es jetzt in Dortmund contra", heißt es unter Verweis auf eine neugegründete Bürgerinitiative gegen Atomanlagen: Contratom. Diese habe ihre Heimatstadt unlängst als "Schurkenstadt Dortmund" bezeichnet.

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