Streitpunkt Wartezeiten

KBV-Chef Köhler bestreitet Zwei-Klassen-Medizin

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, hat den Vorwurf von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zurückgewiesen, gesetzlich Versicherte müssten zu lange auf Arzttermine warten. "85 Prozent der gesetzlich Versicherten haben überhaupt kein Problem mit Wartezeiten", sagte Köhler der "Passauer Neuen Presse". Eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen bestätige, dass von 4300 Befragten nur ein Prozent über lange Wartezeiten beim Hausarzt klagten, beim Facharzt seien dies sieben Prozent. Auch im internationalen Vergleich liege Deutschland vorne. Auch "von Zwei-Klassen-Medizin in der Behandlungsqualität kann keine Rede sein", sagte der KBV-Vorsitzende.

Gesetzlich Versicherte hätten sogar den Vorteil, dass bei ihrer Behandlung viel mehr Behandlungsmethoden und Therapien auf qualitätsgesicherten Standards beruhten. "Übrigens wissen die Ärzte, dass sie ihr Grundeinkommen den gesetzlich Versicherten verdanken", so Köhler. So liege der Anteil von Privatpatienten in den neuen Ländern nur bei einem Prozent, in den alten bei zwölf Prozent.

Allerdings äußerte der KBV-Chef Verständnis für Servicewünsche der Patienten an die Ärzte. "Von unserer Seite ist klar, dass vor allem die chronische Unterfinanzierung des Systems beendet werden muss", sagte er. Wenn die Honorare in Euro und Cent gezahlt würden und die Budgets wegfielen, könne die Leistungsfähigkeit des Systems besser ausgeschöpft werden.

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