Sorge um "Sprachgebrauch"

Weiterer CDU-Politiker will nicht, dass die Union als unsozial gilt

Nach dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten macht sich jetzt ein weiterer Spitzenpolitiker der CDU Sorgen um das Image der Partei in der Öffentlichkeit. Der rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Christian Baldauf fordert eine Entlastung unverschuldet in Not geratener Langzeitarbeitsloser bei der Berechnung der "Hartz IV"-Bezüge. Lebensversicherungen, Immobilien und andere Altersrückstellungen dürften nicht mehr wie bisher zu Lasten des Betroffenen angerechnet werden, sagte Baldauf der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dies sei zu finanzieren, indem Mitnahmeeffekte und falsche Anreize stärker ausgeschlossen würden. Dem CDU-Politiker sagte, die Positionen von Volker Kauder (CDU) könnten dazu führen, dass die Union bei den Menschen als unsozial gelte.

Es sei nicht einzusehen, dass leistungsbereite Menschen bestraft würden, während diejenigen profitierten, die nicht arbeiten wollten, sagte Baldauf. Er kritisierte in dieser Frage die Haltung von Teilen der Union. So verkürze Unions-Bundestagsfraktionschef Volker Kauder (CDU) die Diskussion mit seiner Forderung nach Kürzungen für "Hartz IV"-Bezieher aufs Finanzielle. "Herr Kauder darf nicht so undifferenzierte Positionen vertreten", mahnte Baldauf. Diese könnten dazu führen, dass die Union bei den Menschen als unsozial gelte.

Man dürfe schließlich nicht alle verteufeln, die arbeitslos sind. "So kommt mir aber der Sprachgebrauch im Moment oft vor", klagte Baldauf. Es gehe um Solidarität für unverschuldet in Not geratene Menschen.

Der CDU-Landeschef kritisierte, dass bislang nur die Riester-Rente bei der Berechnung der "Hartz IV"-Bezüge nicht als eigenes Einkommen angerechnet werde. Diese gebe es aber erst seit fünf Jahren. Viele Arbeitslose, die sich durch den Bau einer Immobilie oder eine Lebensversicherung um ihre Altersvorsorge gekümmert hätten, gingen bei "Hartz IV" leer aus. Sie würden aufgefordert, ihr Haus zu beleihen oder eine Lebensversicherung aufzulösen. Das sei paradox. "Derjenige, der jedes Jahr fünf Mal zum Tauchen auf die Malediven gefahren ist und in seiner Mietwohnung wohnt, bekommt die volle Summe", kritisierte Baldauf.

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