"Horrorgemälde"

2100 neue Atomkraftwerke für den Klimaschutz?

Erneut setzen sich Atomkraftgegner mit dem Klimaargument auseinander. Hintergrund ist die Forderung der Internationalen Energie-Agentur (IEA), der Atomkonzerne und der Industrie nach einem verstärkten Einsatz der Atomenergie. Der Deutsche Naturschutzring (DNR) veröffentlichte jetzt eine Studie mit dem Titel "Atomenergie - Retter des Klimaschutzes"? Die von Professor Klaus Traube verfasste Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass man zustätzlich zu den bisherigen 442 Atomkraftwerken noch weitere 2100 Atomkraftwerke mit einer Leistung von jeweils 1000 Megawatt hinzubauen müsste, um damit die Hälfte der globalen Stromversorgung zu decken. Für DNR-Präsident Helmut Röscheisen ist das "ein wahres Horrorgemälde".

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW hatte unlängst eine ähnliche Rechnung aufgemacht: "Um nur 10 Prozent der fossilen Energie zu ersetzen, müssten größenordnungsmäßig 1000 zusätzliche Atomkraftwerke errichtet werden."

Im Szenario von Professor Traube müsste der größte Teil der 2100 Atomkraftwerke vor allem in den Entwicklungsländern gebaut werden. Das würde etwa 5000 Milliarden Euro kosten, so Traube. Heute seien in den Entwicklungsländern mit 80 Prozent der Weltbevölkerung nur 4 Prozent der Atomenergiekapazitäten installiert, überwiegend in China und Indien. Der Anteil des Atomstroms dort betrage aber weniger als 3 Prozent des Stromverbrauches.

Knapp zwei Drittel der derzeitigen Atomkraftwerks-Kapazität entfielen heute auf nur vier Staaten: USA, Frankreich, Japan und Deutschland. Atomexperte Traube verwies darauf, dass die heutigen 442 Atomkraftwerke 66.800 Tonnen Uran pro Jahr benötigten. Beim Zubau weiterer 2.100 AKW bis zum Jahre 2030 wären bei Berücksichtigung eines verbesserten Wirkungsgrades 260.000 Tonnen jährlich erforderlich. Die Reichweite der bekannten Uranvorräte würde sich von heute 70 dann auf nur noch 18 Jahre reduzieren.

In Deutschland habe der Anteil des Atomstroms <http://www.ngo-online.de/tags/atomstrom/>_ an der Stromerzeugung im Jahr 2005 26,3 Prozent betragen. "Strom deckte aber nur 20,4 Prozent des Endenergieverbrauchs, Atomstrom mithin nur 5,4 Prozent des Endenergiebedarfs." Angesichts dieses geringen Anteils an der Energieversorgung kann laut Traube die Atomenergie "vor allem durch Effizienzmaßnahmen bei der Energieerzeugung und -verwendung problemlos ersetzt werden, wie etwa durch die Verdoppelung des Anteils der Kraft-Wärme-Koppelung an der Stromerzeugung von derzeit 11 auf 22 Prozent bis 2012."

Der Deutsche Naturschutzring fordert eine Energieeffizienzstrategie der Bundesregierung mit dem Ziel, den Energieverbrauch pro Jahr um mindestens 3 Prozent zu reduzieren. Bis 2020 könne der heutige "viel zu hohe Energieverbrauch" nahezu halbiert werden. Die restliche Energieversorgung könne dann vorwiegend mit erneuerbaren Energien gedeckt werden.

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