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Erbsen mit Mäuse-Genen gegen Schweine-Durchfall

"Pharma-Pflanzen"

Nach Angaben des Umweltinstituts München plant die ostdeutsche Gentechnikfirma Novoplant GmbH die Freisetzung genmanipulierter Erbsen in Gatersleben (Sachsen-Anhalt). Die Gen-Erbsen sollen offenbar ein Medikament gegen Durchfallerkrankungen von Schweinen produzieren. Dazu würden in die Erbsen Mäuse-Gene eingebaut. "Die Gen-Erbsen sollen in Zukunft als Antibiotika-Ersatz in Futtermittel gemischt werden", so das Umweltinstitut. Der Versuch sei auf dem Gelände der Genbank in Gatersleben mit der weltgrößten Sammlung traditioneller Erbsensorten geplant. Hunderte Sorten würden jedes Jahr im Freiland angebaut, um deren Keimfähigkeit zu erhalten. Eine Kontamination der Genbank hätte nach Auffassung der Umweltforscher "verheerende Folgen für die Erhaltungs- und Züchtungsarbeit und damit für die Ernährungssicherheit künftiger Generationen".

"Gegen kranke Tiere in der Massentierhaltung hilft weder eine Vorabmedikation durch Antibiotika noch durch genmanipulierte Pharma-Erbsen, die zudem noch Tier-Gene enthalten, sondern nur ein Verbot tierquälerischer Haltungsmethoden", meinen die Umweltwissenschaftler. Das Institut ruft zu Einwendungen gegen den geplanten Freisetzungsversuch auf.

Bei den genmanipulierten Erbsen handelt es sich um so genannte "Pharma-Pflanzen". Diese dienen der Produktion von Pharmazeutika. Pharma-Pflanzen werden durch gentechnische Methoden so manipuliert, dass sie zum Beispiel hochwirksame Antikörper, Impfstoffe oder Hormone herstellen. "Statt in Sicherheitslabors, in denen die Medikamentenproduktion üblicherweise stattfindet, sollen Medikamente in Zukunft einfach auf dem Acker in genmanipulierten Pflanzen angebaut werden", kritisiert das Umweltinstitut. Die Industrie verspreche sich davon "märchenhafte Gewinne". Die Gesundheit von Mensch und Tier sowie gravierende negative Einflüsse auf die Umwelt seien dabei "Nebensache".

Gen-Pflanzen ließen sich in der freien Natur nicht kontrollieren. Durch Pollenflug oder Insektenbestäubung landeten "die künstlichen Genkonstrukte unweigerlich auf Nachbaräckern oder vermischen sich bei Transport oder Verarbeitung mit nicht manipulierter Ware". Über kurz oder lang könnten daher auch manipulierte Pflanzen, die Pharmazeutika produzieren, in die Lebensmittelkette und auf unsere Teller gelangen.

Dies gilt es nach Auffassung der Umweltwissenschaftler "unbedingt zu verhindern, denn die gesundheitlichen Auswirkungen nicht verschriebener und hoch wirksamer Medikamente auf den menschlichen Organismus sind unvorhersehbar. Pharma-Pflanzen haben daher auf dem Acker nichts zu suchen."

Mit Rückenwind der schwarz-roten Bundesregierung habe es die Gentechnik-Industrie im vergangenen Jahr geschafft, "mehrere heftig umstrittene Projekte zu realisieren". Eines davon sei der deutschlandweit erste Versuchsanbau von Pharma-Pflanzen gewesen: "Die Pharma-Kartoffeln, die von der Universität Rostock im April 2006 aufs Feld gebracht wurden, enthalten Gene aus dem Cholera-Bakterium und einem für Kaninchen tödlichen Virus, der 'Chinaseuche', und sollen der Produktion von Impfstoffen dienen."

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