"Hemmungslose Atompolitik"
"Dinosaurier 2006" für RWE-Chef Roels
Mit dem RWE-Antrag vom September auf Laufzeitverlängerung für den "Schrott-Reaktor" Biblis A sei der von den Stromkonzernen und der rot-grünen Bundesregierung mühselig ausgehandelte Atomkonsens "aus reiner Profitgier wieder aufgeschnürt worden". Harry Roels halte an einer Risikotechnologie fest, nur um satte Gewinne einzustreichen. Ohne den Atomausstieg gebe es keinen Umbau der Energieversorgung in Deutschland, so Tschimpe.
"Wie glaubhaft sind noch die Bosse der großen Stromkonzerne, wenn sie wie Herr Roels frei nach dem Motto handeln 'Was interessiert uns unser Geschwätz von gestern' und damit nicht nur die Sicherheit vieler Bürger gefährden, sondern nachfolgenden Generationen Berge radioaktiven Mülls hinterlassen", so Tschimpke. 20 Jahre nach Tschernobyl habe zuletzt der Vorfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark im Sommer diesen Jahres gezeigt, dass es zum Ausstieg aus der Atomenergie keine Alternative geben dürfe.
In den letzten 30 Jahren sind den Angaben zufolge in Biblis A und B insgesamt 737 meldepflichtige Ereignisse aufgetreten. Im Dezember 1987 sei es in Biblis A zu einem gravierenden Störfall gekommen, "der fast zu einem schweren Unfall mit Verstrahlung der Umgebung geführt hätte". Wie RWE-Chef Roels bei dieser Bilanz den Eindruck einer unfehlbaren Technologie erwecken wolle, ist für den NABU nicht nachvollziehbar. Derzeit sei das Doppelkraftwerk abgeschaltet, weil rund 50 Prozent aller Schwerlastdübel falsch montiert worden seien.
Auch in punkto Klimaschutz habe der Essener Energiekonzern "nichts zu bieten". Der Kraftwerkspark von Deutschlands zweitgrößtem Stromanbieter werde neben gefährlichen Atomkraftwerken "von klimaschädlichen Kohlekraftwerken dominiert". Deutschlands größter Betreiber von Braunkohlekraftwerken wolle bis 2020 mehrere neue Kohlemeiler bauen.
Der Konzern ist laut NABU in Europa für 15 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen aus der Stromproduktion verantwortlich und mit jährlich 168 Millionen Tonnen Kohlendioxid der größte Produzent von Treibhausgasen. "Das Kerngeschäft des von Harry Roels gelenkten Konzerns ist die Energieerzeugung mit Uralt-Technologien. Angesichts von Klimawandel und endlichen Ressourcen ist eine Energiewende dringend notwendig. Die ist mit RWE leider nicht in Sicht", meint der NABU-Präsident.
Seit 1993 vergibt der NABU "Deutschlands peinlichsten Umweltpreis" an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich "durch besonders nachhaltige Dummheit in Sachen Natur- und Umweltschutz hervorgetan" haben. Preisträger waren bisher unter anderem Bauernpräsident Gerd Sonnleitner und Baden-Württembergs früherer Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU). Im Vorjahr ging die Auszeichnung an den Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun.
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