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DGB-Jugend legt Studie zu Praktika nach Uni-Abschluss vor

"Die Hälfte ist unbezahlt"

Praktika sind nach dem Studium offenbar zum Normalfall geworden. Die Hälfte der Praktika sei sogar unbezahlt. Das sind zentrale Ergebnissse einer Studie im Auftrag der DGB-Jugend und der Hans-Böckler Stiftung hervor, die die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat. Danach schließen fast 40 Prozent der Hochschulabsolventinnen und -absolventen ein Praktikum an, elf Prozent sogar ein zweites. Die Hälfte der im Rahmen der Untersuchung Befragten habe angegeben, "dass ihre Arbeit fest in der Unternehmensarbeit eingeplant war". Lediglich bei 32 Prozent habe das Lernen im Vordergrund gestanden. "Nur rund ein Drittel der Absolventinnen und Absolventen erhielt im Anschluss ein, wie auch immer geartetes, weiteres Beschäftigungsangebot."

Durchschnittlich dauern die Praktika der Studie zufolge sechs Monate, zwei Drittel der Praktikantinnen und Praktikanten werden in dieser Zeit finanziell offenbar von ihren Eltern unterstützt. 40 Prozent müssten sich über einen Nebenjob finanzieren.

"Arbeit muss angemessen entlohnt werden"

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende sieht "dringenden politischen Handlungsbedarf". Sie forderte die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, aus der anstehenden Anhörung zum Thema Praktika politische Konsequenzen zu ziehen. Praktika müssten wieder einen guten Ruf bekommen, als Zeit des Lernens und der beruflichen Orientierung.

"Arbeit dagegen muss angemessen entlohnt werden und berufliche Perspektiven bieten", fordert Sehrbrock. Praktika müssten "gesetzlich eindeutig als Lernverhältnis definiert" und ihre Dauer auf drei Monate begrenzt werden," fordert der DGB. Nach dem Studium sollten Praktika durch "Berufseinstiegsprogramme" ersetzt werden.

"Neue Form der Übergangsarbeitslosigkeit"

Praktika nach Abschluss des Studiums sind nach Auffassung von Sehrbrock in den vergangenen Jahren eine "neue Form der Übergangsarbeitslosigkeit von Hochschulabsolventen" geworden.

Der Studie zufolge empfinden 36 Prozent der Absolventen die Arbeitsbelastung als sehr hoch. Die Rede sei von Stress und Überstunden. Nur zwölf Prozent fühlten sich "angemessen bezahlt".

Die "erste Zeit" nach Abschluss des Studiums sei heute "eine Suchphase", für viele Absolventen gekennzeichnet durch Phasen von "Sucharbeitslosigkeit", Praktika und wechselnden ersten kurzen Beschäftigungen. Nur rund ein Drittel der Praktikanten fände über das Praktikum einen Einstieg in das Beschäftigungssystem.

Der Studie zufolge seien von den Hochschulabsolventen nach dreieinhalb Jahren schließlich drei Viertel abhängig beschäftigt, wovon mehr als die Hälfte unbefristete Stellen habe. Vier Prozent der Absolventen seien dann noch immer arbeitslos und 16 Prozent seien "freiberuflich" und als "Selbstständige" tätig. Unter den "Freiberuflern" und Selbständigen empfinden sich offenbar mehr Personen als "prekär" beschäftigt als unter den abhängig beschäftigten.

"Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung und Arbeitsplatzsicherheit sind wichtig"

Der Studie zufolge ist den Absolventen an ihrer Erwerbstätigkeit vor allem Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung wichtig. Es gehe um "selbständiges Arbeiten", "Möglichkeiten, Neues zu lernen" und um "neue Herausforderungen". Wichtig sei zudem die "Arbeitplatzsicherheit".

Weniger Bedeutung hätten hingegen ein "hohes Einkommen", "gute Karriereaussichten " und der "soziale Status". Besonders hoch seien die Differenzen zwischen Wichtigkeit und Realisierung bei den Merkmalen "hohes Einkommen" und "Arbeitsplatzsicherung".

Insgesamt schauen offenbar 70 Prozent der Absolventen "optimistisch in die berufliche Zukunft", nur ein Zehntel sei "eher pessimistisch". Mit zunehmender Unsicherheit der Position wachse allerdings der Anteil der "Pessimisten" auf nahezu ein Viertel (23 Prozent) an und entsprechend sinke die Gruppe der Optimisten auf 41 Prozent.

Der Studie zufolge würde ein Großteil erneut studieren. Trotz zunehmender Praktikumstätigkeit nach dem Studium und "zunehmender Erschwernisse in der Phase des Übergangs" sei den Absolventen ihr – gegenüber anderen Qualifikationsgruppen – relativer Vorteil auf dem Arbeitsmarkt bewusst, heißt es in der Studie. Sie wüßten, dass sich Studieren immer noch lohne.

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