"Schimären"
Atomkraftwerke, CO2-freie Kohlekraftwerke und Biosprit in der Kritik
Der "Königsweg" beim Klimaschutz seien mehr Energieeffizienz, der Ausbau erneuerbarer Energien und die Vermeidung jeglicher Energieverschwendung, so Zahrnt.
Atomkraftwerke könnten keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten, da ein Ausbau der Kernenergie zu teuer und schon aufgrund der begrenzten Uran-Vorkommen nicht möglich sei. Vor allem aber berge die Atomkraft zu hohe Risiken und verursache unlösbare Atommüllprobleme.
Fragwürdig seien auch die Versuche, CO2 aus der Kohleverbrennung in unterirdischen Lagerstätten zu versenken. Das Verfahren sei extrem teuer, verschlechtere "den ohnehin mangelhaften Wirkungsgrad großer Kraftwerke" und berge das Risiko des späteren Austritts des CO2 in die Atmosphäre.
Dem Klimaschutz zuwider liefen auch alle Pläne, neue Kohlekraftwerke zu bauen. In der Pflicht seien außerdem die Auto- und Flugzeugindustrie. Sie müssten sehr viel sparsamere Antriebe entwickeln als dies heute der Fall sei.
"Auf Atom- und Kohlekraftwerke zu setzen bedeutet vor allem ein Weiter-So für die Energiewirtschaft", kritisiert die BUND-Vorsitzende. "Wenn das geschieht, werden weder Deutschland noch die EU noch andere große Industrienationen ihre CO2-Reduktionsziele erreichen können." Das wäre nach Auffassung des Umweltverbandes zudem ein schlechtes Vorbild für die Entwicklungs- und Schwellenländer, ohne die auf Dauer wirksamer Klimaschutz nicht möglich sei.
Töpfer: Atomkraft kein Mittel im Kampf gegen den Klimawandel
Auch Töpfer sprach sich gegen eine längere Nutzung der Atomkraft aus. Die Atomkraft dürfe nur noch übergangsweise eine Rolle spielen, auch wenn diese zur Minderung des Kohlendioxidausstoßes beitrage, sagte der ehemalige Bundesumweltminister am 3. Mai im "Deutschlandradio Kultur".
Es stehe fest, dass mit der Kernenergie das Problem des Klimawandels nicht bewältigt werden könne. Jetzt müsse massiv in die Entwicklung erneuerbarer Energien investiert werden und Energie effizienter genutzt werden.
Töpfer sagte mit Bezug auf die Atomkraft als Brückentechnologie: "Es liegt in unserer Hand, dass wir diese Brücke so kurz wie möglich machen, dass wir möglichst bald das gegenüber liegende Ufer erreichen, damit wir ohne Kernenergie auskommen."
Ex-Umweltminister spricht von "sauberen Kohlekraftwerken"
"Saubere Kohlekraftwerke" hingegen werden nach Ansicht Töpfers "sicher noch lange gebraucht", denn Indien, China und die USA verfügten über große Kohlereserven.
Töpfer lobte zugleich den Stand der Entwicklung erneuerbarer Energien in Deutschland: "Deutschland ist das führende Land in der Windenergie. 70 Prozent dessen, was in der Windenergie erzeugt wird, wird exportiert." Bei Geothermie und Sonnenenergie könne man noch mehr tun.
Bei alternativen Kraftstoffen müsse man allerdings aufpassen, dass man "nicht den Teufel mit dem Belzebub" austreibe. Bei der Erzeugung von Biosprit dürfe man nicht den Wasserhaushalt, die intakte Natur und die Ernährungsbasis der Welt in Frage stellen.
Schavan will an Atomtechnologie als "Brückentechnologie" festhalten Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) hat sich gegen einen schnellen Ausstieg aus der Atomtechnologie ausgesprochen. Der "Passauer Neuen Presse" sagte Schavan: "Die Atomenergie wird als 'Brückentechnologie' Bedeutung haben, solange wir nicht genügend Energie einsparen und fossile sowie erneuerbare Energiequellen nicht ausreichen."
Zwar habe Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärt, dass Kernkraft nicht die Antwort auf den Klimawandel sei, so Schavan. "Ich sage: Es hat aber noch niemand eine Antwort darauf gegeben, ob sich die Klimaziele ohne Kernkraft erreichen lassen. Dieses Thema sei zwischen Union und SPD in der Koalition umstritten.
"Aber die Stunde der Wahrheit wird eines Tages kommen", sagte die CDU-Politikerin hinzu. Jetzt gehe es vor allem darum, dass Deutschland seine Kompetenzen zum Beispiel im Bereich von Reaktorsicherheit und Endlagerforschung nicht verliere.
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