headerquote

Seite 1 bei Google kann so einfach sein.

unabhängige Autoren mit eigener Meinung

Globalisierungskritiker erheben nach dem G8-Gipfel Vorwürfe gegen die Polizei

"Prügel und Willkür"

Der G8-Gipfel ist seit drei Wochen Geschichte. Der Polizeieinsatz rund um Heiligendamm galt als einer der bislang größten in Deutschland. Ob er auch erfolgreich war, das sehen viele der G8-Gegner, die damals auf die Straße gegangen waren, ganz anders als die Polizei selbst. Am Abend des 26. Juni ging es in Berlin bei einer Anhörung um Erfahrungen mit "Prügel und Willkür". Mehrere Dutzend Augenzeugen und Opfer polizeilicher Gewalt berichteten von ihren Erlebnissen.

Heiko Jäger und seine Freunde aus dem Wendland beispielsweise waren offenbar bereits bei der Anreise auf der Autobahn bei Rostock-Laage aus dem Verkehr gefischt worden. Mit Kabelbindern um die Handgelenke seien sie zusammen mit rund 100 anderen Demonstranten in Gefangenenbussen nach Rostock gebracht worden. In der Sammelstelle habe ihm niemand verraten, was ihm eigentlich vorgeworfen werde, erzählte der Mann mit den grauen Haaren. Die Zustände dort seien katastrophal gewesen. "Wir hatten weniger Platz als Legehennen." Auch bei der Entlassung sei ihm der Grund für die Festnahme nicht genannt worden. Offenbar hätte den Beamten aber das Dannenberger Kennzeichen als Verdachtsgrund gereicht - dort kämpfen die Bewohner seit Jahren gegen das Atommüll-Zwischenlager Gorleben.

Andere Protestteilnehmer berichteten, von Beamten schwer misshandelt worden zu sein. Demonstranten soll in Polizeigewahrsam mit sexueller Gewalt gedroht worden sein. Ein Mann aus Potsdam, der durch einen Wasserwerfer schwere Augenverletzungen erlitt, erklärte, die Polizei habe ihm die medizinische Versorgung verweigert.

Ein Augenzeuge berichtete von einer Polizeidurchsuchung eines Busses, bei dem sogar ein Kleinkind erkennungsdienstlich behandelt worden sein soll. Die Beamten hätten das Kind auf eine Straße gesetzt und so lange fotografiert, bis sie ein brauchbares Foto von ihm gehabt hätten, sagte er. Anschließend seien alle Insassen des Busses zu Gefangenensammelstellen gebracht worden. Mutter und Kind seien gegen Mitternacht wieder freigekommen, die meisten anderen erst später. Was ihnen vorgeworfen wurde, habe keiner von ihnen je erfahren.

Anwälte beschwerten sich, dass den festgenommenen Demonstranten zu jedem Zeitpunkt rechtlicher Beistand verweigert worden sei. Einem Demonstranten soll sogar der Mund zugehalten worden sein, damit er dem Anwalt seinen Namen nicht zurufen konnte.

Rechtsanwältin Christina Klemm, die einen der neun im Schnellverfahren zu Gefängnisstrafen verurteilten Demonstranten verteidigte, zeigte sich immer noch empört über die Justiz. Ihrem Mandanten sei vorgeworfen worden, fünf bis sieben Gegenstände auf Polizisten geworfen zu haben. Dafür gebe es jedoch nur einen Zeugen, ohne dass der Beamte genaue Angaben habe machen können.

Bei der Anhörung ging es auch um die angeblichen "Agents Provocateurs", die die Polizei bei der Blockade vor Heiligendamm eingesetzt haben soll, um die Demonstranten gegen die Staatsgewalt aufzubringen. Die Polizei hat bislang nur bestätigt, dass sich Beamte in Zivil zur Aufklärung unter die Demonstranten gemischt haben. Ein Zeuge versichert jedoch in einer eidesstattlichen Erklärung, dass einer der Zivilbeamten einen Stein in Richtung der Polizei geworfen und gerufen hat: "Drauf auf die Bullen!"

Viele der Vorwürfe werden vermutlich demnächst die Justiz beschäftigen - auch wenn viele Betroffene den Gang vor Gericht scheuen. Der Zeuge, der "Agents Provocateurs" gesehen hat, will jedenfalls nicht vor Gericht aussagen. Er habe nicht die Erwartung, dass eine Strafverfolgung eingeleitet werde, befürchte jedoch Repressalien der Polizei, sagte sein Anwalt.

Inzwischen hat sich allerdings ein zweiter Zeuge gemeldet, der Ähnliches gesehen haben will und dies auch vor Gericht bestätigen will. Und auch Heiko Jäger aus dem Wendland will gegen den Polizeistab Kavala wegen Freiheitsentzug und Körperverletzung klagen.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!