Geheimdienste & Wirtschaft

Fünf IHK-Vizepräsidenten wegen Stasi-Tätigkeit zurückgetreten

In der Affäre um die Stasi-Tätigkeit führender Vertreter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg sind fünf der acht Vizepräsidenten zurückgetreten. Zunächst habe das Präsidium erwogen, geschlossen zurückzutreten, teilte die IHK am Donnerstag mit. Um die Arbeitsfähigkeit zu erhalten, seien die dienstältesten Vizepräsidenten Sabine Gilbers, Gerhard Bertram und Ulrich Eichhorn aber im Amt geblieben. Für den 19. Juni wurde eine außerordentliche Vollversammlung einberufen, um den neuen Präsidenten und die Vizepräsidenten zu wählen. Zu Wochenbeginn war bereits IHK-Chefs Klaus H. wegen eingeräumter Stasi-Tätigkeit zurückgetreten. Ein Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer hat am 6. Juni zugegeben, für den Geheimdienst gearbeitet zu haben.

Der 75-jährige IHK-Vize Otto E. bestätigte, dass er ab 1987 mündliche Berichte an die Stasi geliefert habe. Er habe aber keine personenbezogenen Berichte geschrieben. Einem Zeitungsbericht zufolge soll er bis zur Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) unter dem Decknamen "Heinz" gearbeitet und sogar Verwandte bespitzelt haben.

Am 4. Juni war IHK-Chef H. nach wochenlanger Diskussion von seinem Amt zurückgetreten. Vier Tage zuvor hatte ihm die IHK-Vollversammlung noch den Rücken gestärkt, 85 Prozent der Anwesenden sprachen ihm das Vertrauen aus. H. hatte eingeräumt, von 1986 bis 1989 für den Geheimdienst als IM gearbeitet zu haben.

Politiker und der Stasi-Landesbeauftragte fordern, alle leitenden Mitarbeiter der IHK Magdeburg einer Stasi-Überprüfung zu unterziehen.

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