Atomkraftwerke stehen still

Atomkraftwerk Brunsbüttel bleibt wegen weiterer Überprüfungen vom Netz

Immer mehr Kernkraftwerke werden vom Netz genommen. Während die Atomindustrie in der Vergangenheit jeden Tag Anlagenstillstand wegen der verlorenen Gewinne als Katastrophe ansah, willigt sie in jüngerer Vergangenheit geräuschlos in monatelange Anlagenstillstände ein. So stehen seit vergangenem Herbst beide Blöcke in Biblis still, weil man Dübel austauschen möchte. Am 19. Juli gab die Kieler Landesregierung bekannt, dass auch das Kernkraftwerks Brunsbüttel nach seinem jüngsten Ölwechsel vorerst nicht wieder ans Netz gehen würde. Auch dort habe man Abweichungen an Dübelplatten im Sicherheitssystem des Kernkraftwerks gefunden, heißt es offiziell zur Begründung.

Die Abweichungen seien bei einer von der Aufsichtsbehörde veranlassten Überprüfung festgestellt worden, teilte ein Sprecher des zuständigen Kieler Sozialministeriums am 19. Juli mit. Das Kraftwerk war zuvor wegen eines Ölwechsels im Eigenbedarfstransformator vom Netz genommen worden.

Bei den Prüfungen sind den Angaben zufolge Experten der Behörden für Reaktor- und für Bauaufsicht, des TÜV Nord und der bauamtliche Prüfingenieur zugegen. Dabei seien zu große Bohrungen in den Dübelplatten entdeckt worden, mit denen Rohrleitungen am Bauwerk befestigt würden.

Aufgrund dieser Unregelmäßigkeit werden nun weitere Dübelplatten untersucht. Der Betreiber habe mit der Instandsetzung der beanstandeten Platten begonnen. Derzeit werde eine Meldung nach atomrechtlicher Meldeverordnung vorbereitet. Das AKW bleibe bis zum Abschluss der Instandsetzungen vom Netz.

Die Kontrolle der Dübelverbindungen ist dem Sprecher zufolge Teil eines Prüfprogramms, das von der Aufsichtsbehörde im Zusammenhang mit Ereignissen in den hessischen Kernkraftwerken am Standort Biblis aufgelegt worden war und seit Oktober 2006 läuft. In den seit einem Dreivierteljahr abgeschalteten Biblis-Blöcken A und B war im vergangenen Herbst entdeckt worden, dass Tausende Dübel falsch montiert waren. Seither läuft dort der Austausch der Bauteile. Er soll noch weitere Monate dauern.

Die Atomindustrie hat in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik an Windkraftanlagen mit dem Argument geübt, bei Windstille müsse eine entsprechende Ersatzkapazität vorgehalten werden. Bei dem derzeitigen Stillstand mehrerer großer Atomkraftwerksblöcke wird - ebenso wie bei den Jahresrevisionen von Kernkraftwerken - auch eine erhebliche Reservekapazität beansprucht, damit die Lichter nicht ausgehen.

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