"Augenschein"

Vattenfall will Atomkraftwerk Krümmel mit nur einem Transformator betreiben

Der am 28. Juni im schleswig-holsteinischen Atomkraftwerk Krümmel in Brand geratene Transformator konnte erst drei Tage später am 1. Juli weitgehend gelöscht werden. Nach offiziellen Angaben gelang es den Feuerwehrmännern am 1. Juli, das Gebäude sowie den Transformator nachmittags auf 30 Grad herunterzukühlen. Jetzt haben Experten mit der Ursachenforschung begonnen. Am 2. Juli nahmen Sachverständige im Auftrag der Lübecker Staatsanwaltschaft den ausgebrannten Transformator "in Augenschein". Parallel dazu ließ das Kieler Sozialministerium als Aufsichtsbehörde den zweiten Transformator am Atommeiler prüfen, weil der Atomkraftwerksbetreiber Vattenfall das Kraftwerk schnellstmöglich wieder ans Netz bringen möchte. Die Gutachter sollen prüfen, wie belastbar der baugleiche zweite Transformator in Krümmel ist, wie Ministeriumssprecher Oliver Breuer sagte. Betreiber Vattenfall Europe wolle den Reaktor zunächst nur mit einem Transformator wieder anfahren.

Dann könnte Krümmel höchstens 60 Prozent der möglichen Leistung liefern. Zum Brandzeitpunkt am Donnerstag waren beide 380-Kilovolt-Transformatoren in Betrieb gewesen.

Den Brandort hatte die Staatsanwaltschaft zur routinemäßigen Untersuchung abgesperrt. Erst nach Beendigung dieser Ermittlungen soll der ausgebrannte Transformator für die Prüfungen durch Sachverständige der Aufsichtsbehörde und der Versicherungen freigegeben werden.

Kieler Sozialministerium: Genehmigung zum Wiederanfahren von Brunsbüttel erteilt

Unterdessen ging der am 28. Juni nach einem Kurzschluss ebenfalls abgeschaltete Reaktor Brunsbüttel am 1. Juli wieder ans Netz. Zuvor hatte das Kieler Sozialministerium als Aufsichtsbehörde die Genehmigung zum Wiederanfahren des Atommeilers gegeben.

Die beiden Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel waren abgeschaltet worden, nachdem es zunächst in Brunsbüttel zu einem Kurzschluss gekommen war. Dabei kam es - wie erst Tage später öffentlich gemacht wurde - zu einem Schwelbrand an der Turbine. Knapp zwei Stunden später brach auf dem Gelände des Atomkraftwerks Krümmel in einem Transformatorgebäude ein Feuer aus. Nach Angaben des Kraftwerksbetreibers Vattenfall hatte ein Kurzschluss im Transformator dort Öl entzündet.

BBU kritisiert Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerks Brunsbüttel

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) kritisierte die Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerks Brunsbüttel. Nach Auffassung des Umweltverbandes geht damit der "nukleare Blindflug ohne Rücksicht auf Verluste" weiter. BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz sagte, die Bevölkerung rund um das Atomkraftwerk Krümmel, aber auch bei allen anderen Atomanlagen werde einem enormen Unfallrisiko und einem weiter wachsendem Atommüllberg ausgesetzt.

Der BBU bezeichnete diese Situation als unverantwortlich und forderte den Sofortausstieg aus der Atomenergie. Zugleich rief der Verband zu weiteren Protesten gegen alle Atomanlagen und Atomtransporte auf.

Das Atomkraftwerk Krümmel bleibt bis auf weiteres vom Netz getrennt.

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