Weitere Millionen für "Experten"

Mindestens fünf Millionen Euro zur Behebung der Schäden im Atomkraftwerk Krümmel

Mit der Begutachtung, Wartung, Reparatur und Nachrüstung von Atomkraftwerke lassen sich gute Geschäfte machen. Nach Angaben von Vattenfall-Geschäftsführer Reinhard Hassa werden im Kernkraftwerk Krümmel aktuell 25 Millionen Euro für Sondermaßnahmen und die Revision verbaut. Allein für Sofortmaßnahmen wie Reparaturen nach dem Brand in einem Trafogebäude seien rund fünf Millionen Euro veranschlagt. Einer "Expertenkommission" wurde außerdem ein Etat von weiteren vorerst fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ob es bei dieser Summe bleiben werde, hänge von den Ergebnissen ab, da die Analysen des Zwischenfalls noch nicht abgeschlossen seien. Derzeit wird unter anderem ein Ersatz-Trafo für das ausgebrannte Aggregat eingebaut.

Ein Termin für das Wiederanfahren des abgeschalteten Meilers steht nach Angaben von Hassa noch nicht fest. Damit sei "nicht innerhalb der nächsten wenigen Wochen" zu rechnen. Hassa bezifferte den täglichen Produktionsausfall in den beiden abgeschalteten AKW Krümmel und Brunsbüttel auf insgesamt eine Million Euro. Der Image-Verlust bei den Kunden sei jedoch nicht bezifferbar.

Greenpeace-Energieexperte Heinz Smital bezeichnete die Einladung von 40 Medienvertretern in das AKW Krümmel als "reine PR-Aktion". Die Expertenkommission sei "sehr problematisch". Der Betreiber versuche offenbar, "die Aufsichtsbehörde unter Druck zu setzen, in dem man sich eine Kommission kauft, die wohl ein vorgegebenes Ergebnis erbringen soll". Das seien "Leute, die ihr ganzes Leben in gewisser Weise der Atomtechnologie gewidmet haben. Die werden kaum zu einem anderen Schluss kommen, als das das hier eine tolle Sache ist", sagte Smital.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete die Einsetzung der Kommission als "irrelevant". In der Gruppe säßen mit einem langjährigen Präsidiumsmitglied des Deutschen Atomforums und dem Präsidenten von Swissnuclear, Peter Hirt, "zwei ausgewiesene Atomkraft-Befürworter und -Lobbyisten", sagte BUND-Atomexpertin Renate Backhaus.

Das Atomkraftwerk Krümmel war am 28. Juni ebenso wie das Atomkraftwerk Brunsbüttel per Schnellabschaltung heruntergefahren worden. Brunsbüttel war am vergangenen Samstag werden fehlerhafter Halterungen für Rohrleitungen des Not- und Nachkühlsystems komplett abgeschaltet worden.

In Krümmel hatte nach einem Kurzschluss mehrere Tage lang ein Transformator gebrannt. Im Zuge des offenbar nicht ganz harmlosen Störfalls versagte eine Kühlpumpe und der so genannte Reaktorschutz musste ein Sicherheitssystem aktivieren. Die Betriebsmannschaft riss Ventile zur Druckentlastung auf. Es kam zu einem dramatischen Druck- und Füllstandsabfall im Reaktordruckbehälter, in dem sich die Brennelemente befinden, die stets gekühlt werden müssen.

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