Keine Ruhe

Laut Ex-Außenminister Fischer sind alle "reformmüde"

Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) wirft der deutschen Politik vor, sich trotz des schärfer werdenden globalen Wettbewerbs auszuruhen. "Ich sehe in Deutschland parteiübergreifende Illusionen", sagte Fischer der "Financial Times Deutschland". "Alle sind reformmüde." Er warnte davor, mit den Reformen nachzulassen. Deutschland werde in der Welt von morgen ein "mittelständisches Unternehmen" sein und, wenn es nicht aufpasse, ein "Übernahmekandidat".

Fischer hatte bis zum Sommer einen einjährigen Lehrauftrag an der US-Eliteuniversität Princeton. Es sei "wie beim Marathon", so der Politiker, der die Grünen um 170 Grad umdrehte. In Asien und den USA herrsche eine beeindruckende Dynamik. "Vorne geht die Post ab. Da können Sie sich nicht im Mittelfeld ausruhen. Sie müssen die Zähne zusammenbeißen und mithalten." Europa müsse sehr achtgeben, nicht den Anschluss zu verpassen.

Der ehemalige Außenminister, dem nachgesagt wird, er habe vor seinem Amtsantritt als deutscher Außenminister zunächst bei der US-Regierung vorgesprochen, sagte, die schwindende Bedeutung Europas sei ihm in den Vereinigten Staaten besonders klar geworden. "Europa kommt in den strategischen Überlegungen der USA praktisch nicht mehr vor." Das müsse man "einfach zur Kenntnis nehmen", so Fischer. "Im strategischen Sinne wird aus US-Sicht die Welt in dem Dreieck Indien, China und USA gesehen." Das sei "schon erschütternd".

Als Antwort bliebe den europäischen Ländern nur eine verstärkte Kooperation in der EU: "Wenn wir den Weg zueinander nicht finden, werden wir alle Übernahmekandidaten."

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!