Geheimdienste im Verdacht

Ehemaliger Barschel-Chefermittler sieht weiterhin Indizien für Mordtheorie

Der ehemalige Chefermittler im Barschel-Fall und leitende Lübecker Staatsanwalt, Heinrich Wille, glaubt weiter an eine Ermordung des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten. "Bei einer vorurteilsfreien Betrachtung des Tatortes hätte man darauf kommen müssen, dass es Mord war", sagte Wille laut Vorabmeldung des ARD-Fernsehmagazins "Report München". Wille sagte, Selbstmord scheide für ihn inzwischen völlig aus. Wille hat Geheimdienste im Verdacht. Es ging offenbar um Waffengeschäfte.

"Dafür hat man während der ganzen Ermittlungen nicht einen Hinweis bekommen." Dagegen zeige "die Spurenbeseitigung, die allerdings nicht lückenlos gelang, dass daran nur ein Mörder Interesse gehabt haben kann". Wille schließt dem Bericht zufolge nicht aus, dass Killer von einem "Sicherheitsunternehmen" beauftragt wurden, "denn die Geheimdienste, die ein Interesse am Tod von Uwe Barschel hatten, mussten nicht Tatausführende gewesen sein".

Die Witwe des Politikers, Freya Barschel, forderte eine Neuaufnahme staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen. Ihr Mann habe keinen Selbstmord begangen. "Wenn er Probleme hatte, gab es für ihn immer eine Lösung. Selbstmord wäre für ihn keine Lösung gewesen." Der Politiker habe von seinem Amtsvorgänger Gerhard Stoltenberg (CDU) "gewisse Dinge übernehmen müssen, hinter denen er nicht stand". Sie fügte hinzu: "Er hat zwar mir gegenüber das Wort Waffengeschäfte nicht in den Mund genommen, aber er sagte, dass er nicht für Waffen sei und dass er nun dieses Erbe übernehmen müsse, obwohl er nicht dahinterstehe."

Uwe Barschel war am 11. Oktober 1987 in der Badewanne seines Zimmers im Genfer Hotel "Beau Rivage" tot aufgefunden worden. Seitdem gibt es einen Streit um die Frage, ob der 43-Jährige Selbstmord beging oder ermordet wurde.

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