RAF-Terrorist Rolf Clemens Wagner

Empörung nach Äußerung von Ex-Terrorist Wagner zur Schleyer-Entführung

Der ehemalige RAF-Terrorist Rolf Clemens Wagner hat mit seinen rechtfertigenden Äußerungen zur Schleyer-Entführung helle Empörung ausgelöst. Politiker von Union und FDP stellten am 17. Oktober die Begnadigung Wagners im Jahre 2003 in Frage. Zugleich warnten sie vor Gnadenerweisen für weitere RAF-Terroristen ohne vorherige Reue der früheren Extremisten. Wagner hatte der Zeitung "junge Welt" gesagt, die Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer im Jahr 1977 sei "aus heutiger Sicht richtig" gewesen. Schleyer sei wegen seiner NS-Vergangenheit und als damaliger Arbeitgeberpräsident, der bei Arbeitskämpfen "als Aussperrer" gewirkt habe, nicht zufällig ausgesucht worden.

CDU-Vize Roland Koch sagte, es sei "ungeheuerlich, dass selbst 30 Jahre danach einige der Täter immer noch nicht einsehen, welch schrecklichen Irrweg sie gegangen sind". Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) betonte: "Wagner ist der Gnade, die ihm der damalige Bundespräsident Johannes Rau 2003 erwiesen hat, unwürdig."

Beckstein sagte, die "menschenverachtenden Äußerungen" Wagners zeigten, "dass auch 30 Jahre nach der beispiellosen Mord- und Terrorserie in Deutschland RAF-Terroristen ihrer Ideologie nicht abgeschworen haben". Der CSU-Politiker warnte vor weiteren Begnadigungen von inhaftierten RAF-Mitgliedern: "Terroristen, denen die Einsicht in die Abscheulichkeit ihrer Taten fehlt, haben keine Gnade verdient", sagte Beckstein.

FDP-Vize Rainer Brüderle bezeichnete die Äußerungen Wagners als "Faustschlag ins Gesicht der Opferfamilien". Wagner habe "damit seine Begnadigung selbst als Fehlentscheidung offenbart".

Hessens Ministerpräsident Koch betonte, RAF-Täter hätten "als Mörder unendliches Leid in viele Familien getragen". Es sei "furchtbar", dass diese Familien nun auch "unter den schrecklichen Äußerungen von heute leiden müssen".

Der CDU-Fraktionschef im hessischen Landtag, Christean Wagner, zeigte sich erschüttert über den "menschenverachtenden Zynismus" des Ex-Terroristen. Eines müsse man aus dessen Interview lernen: "Es darf keine Gnade ohne wirkliche Reue mehr geben", betonte der CDU-Politiker. "Jeder, der vorzeitig entlassen werden will, muss auch sein gesamtes Wissen preisgeben", fügte er hinzu.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte, die Tat der RAF löse heute noch Bestürzung aus. Schleyer sei im Übrigen "nicht der Verfechter eines schranken- und zügellosen Kapitalismus" gewesen, "zu dem ihm seine Mörder stempeln wollten". Schleyer sei vielmehr für wirtschaftliche Freiheit und soziale Verantwortung eingetreten.

Rolf Clemens Wagner wurde im Dezember 2003 nach 24 Jahren Haft und im Alter von 59 Jahren aus der Haft entlassen. Der damalige Bundespräsident Johannes Rau hatte ihn begnadigt. Wagner war 1985 zu zweimal lebenslänglicher Haftstrafe verurteilt worden, unter anderem wegen der Entführung und Ermordung Schleyers.

Der damalige Arbeitgeberpräsident wurde am 5. September 1977 von der RAF entführt, wobei die Terroristen seinen Fahrer und drei Polizeibeamte eines Begleitkommandos erschossen. Schleyer wurde am 18. Oktober 1977 erschossen.

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