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Expertenkommission von Vattenfall für Weiterbetrieb von Brunsbüttel und Krümmel

Blackbox

Die nach Störfällen in den Atomkraftwerken (AKW) Brunsbüttel und Krümmel vom Atomkraftwerksbetreiber Vattenfall eingesetzte Expertenkommission hat keine Einwände gegen einen Weiterbetrieb der beiden Meiler. In ihrem am Dienstag in Hamburg vorgelegten Abschlussbericht kommt die Kommission zu dem Schluss, dass "die organisatorischen und technischen Voraussetzungen für einen sicheren Weiterbetrieb der Kraftwerke gegeben sind". Nach Angaben von Vattenfall-Vorstand Reinhardt Hassa gehen die beiden Kraftwerke dieses Jahr aber nicht mehr ans Netz. Die Umweltschutzorganisation Robin Wood bemängelte die Zusammensetzung der Kommission aus "altgedienten Vertretern der Atomwirtschaft und ihrer Lobby-Verbände". Auch die Kieler Atomaufsicht kritisierte den Bericht. Umweltverbände forderten die endgültige Abschaltung der Meiler.

Kommissionsleiter Adolf Birkhofer - einst Geschäftsführer der atomenergie-freundlichen Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) - sagte, die abgeschalteten AKW entsprächen "in ihrer Konzeption und ihrer sicherheitstechnischen Ausstattung dem modernen Stand jüngerer Kraftwerke". Bei den Störfällen am 28. Juni hätten alle angeforderten Sicherheitseinrichtungen beider Anlagen ordnungsgemäß funktioniert.

Birkhofer gegen Blackbox zur Aufzeichnung von Abläufen wie bei Flugzeugen

Allerdings sei es zu technischen und Kommunikationsproblemen gekommen. Diese könnten durch Änderungen in Technik, Organisation, Management und Schulung künftig vermieden werden.

Die Einführung einer Blackbox zur Aufzeichnung von Abläufen ähnlich wie in Flugzeugen lehnte Birkhofer ab. Dies würde "eher zu Schwierigkeiten führen" und "die Kommunikation nur schwächen". Eine Blackbox stelle keine sicherheitstechnische Verbesserung dar und sei international auch nicht üblich.

Hassa kündigte an, die Empfehlungen der Kommission umzusetzen. Er sagte, dass die Pannen in den Kraftwerken dem Ansehen der Kernenergie in Deutschland geschadet hätten. Die abgeschalteten Meiler verursachen laut Hassa einen täglichen Produktionsausfall von bis zu einer Million Euro.

Trauernicht: Brunsbüttel und Krümmel entsprechen nicht dem "Sicherheitsniveau jüngerer Anlagen

Die für die Reaktoraufsicht zuständige schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) kritisierte, zu einer ganzen Reihe Empfehlungen bestehe "Konkretisierungs- und Ergänzungsbedarf". "Überhaupt nicht nachvollziehen" lasse sich die Ansicht der Kommission, "nach Umsetzung der Kurzfristmaßnahmen" könnten beide Kernkraftwerke wieder in Betrieb genommen werden. Dabei würden Probleme mit Dübeln oder Risse in Armaturen außer Acht gelassen. Beide Meiler entsprächen auch nicht dem "Sicherheitsniveau jüngerer Anlagen".

Zudem halte sie die "kategorische Ablehnung", eine Blackbox einzuführen, für falsch. Dies wäre ein gutes Instrument, um bei Störfällen rasch und nachvollziehbar wichtige Erkenntnisse zu gewinnen. Es sei unverständlich, warum Bankfilialen per Video überwacht würden oder es Voicerecorder in der Luftfahrt gebe, "ein so sensibler Bereich wie eine Reaktorwarte aber nicht derart überwacht werden kann". Das Ministerium prüfe, ob dies im Zuge einer aufsichtlichen Anordnung durchsetzbar sei.

Die Umweltorganisation Greenpeace bezeichnete den Kommissionsbericht als verantwortungslos. Beide Meiler entsprächen nicht dem Stand der Technik und dürften nicht wieder ans Netz gehen.

Krümmel und Brunsbüttel waren nach Reaktorschnellabschaltungen am 28. Juni vom Netz genommen worden. Der Störfall in Krümmel wird von Atomenergie-Kritikern als sehr ernst eingestuft. Auch die Kieler Atomaufsicht stuft die Störfälle vom 28. Juni als außergewöhnliches Ereignis und damit höher ein als die von Vattenfall eingesetzte Kommission.

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