Vor Europawahl

Bundesregierung will neuen EU-Vertrag bis Mitte Mai" 2008 ratifizieren

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte am 12. Dezember in Berlin an, die Bundesrepublik wolle die Ratifizierung des neuen EU-Vertrags bis "Mitte Mai" 2008 abgeschlossen haben. Merkel nannte die Einigung auf den neuen EU-Vertrag, der wesentliche Teile der gescheiterten EU-Verfassung übernimmt, einen "historischen Erfolg" für Europa. In der Parlamentsdebatte wurde zugleich deutlich, dass der neue "EU-Reformvertrag", der am 13. Dezember in Lissabon von den 27 Staats- und Regierungschefs der EU unterzeichnet wird, mit einer breiten Zustimmung im Bundestag rechnen kann. Lediglich die Linke will dagegen stimmen. Die EU fürchtet sich offenbar vor der mangelnden Zustimmung der Bevölkerungen, denn der Vertrag von Lissabon soll Anfang 2009 und damit noch vor der Europawahl in Kraft treten. Dafür muss er durch alle EU-Mitgliedsstaaten ratifiziert werden.

SPD-Chef Kurt Beck erinnerte an die schwierige, sechsjährige Reformdebatte der Europäischen Union. "Nach langen Verhandlungen und Rückschlägen wird die EU nunmehr auf ein erneuertes vertragliches Fundament gestellt", so Beck. Dies sei ein "großer Erfolg für Europa und zeugt von der Zukunftsfähigkeit des europäischen Einigungswerkes".

Auch von der Opposition kam überwiegend Zustimmung zum neuen Vertrag von Lissabon, der den bisher gültigen Vertrag von Nizza ablösen soll. FDP und Grünen verwiesen vor allem auf erweiterte Rechte der Parlamente und nannten zugleich eine friedliche Lösung des Kosovo-Problems als "erste Bewährungsprobe" für die neue europäische Außenpolitik.

FDP-Fraktionsvize Werner Hoyer forderte die Bundesregierung auf, "rechtlich sauber" zu klären, wie die einseitige Unabhängigkeit des Kosovo mit der UN-Vorgabe der territorialen Integrität zusammenpasse. Die UN-Resolution sei schließlich Grundlage auch für den Bundeswehreinsatz. Zugleich begrüßte Hoyer ausdrücklich die Einigung von Lissabon, mit der eine "Phase von Selbstzweifeln" in Europa beendet worden sei.

Für die Links-Fraktion bezeichnete die Abgeordnete Monika Knoche den EU-Reformvertrag als "alten Brief im neuen Umschlag". Knoche kritisierte, das Dokument sei "undemokratisch" und lasse Transparenz und Teilhabe vermissen. Eine breite demokratische Beteiligung etwa durch Volksabstimmungen sei nicht erwünscht. Europa habe weiterhin eine neoliberale Wirtschaftsordnung. Die Linke kritisierte auch eine "Militarisierung der bislang vorwiegend zivilen europäischen Integration". Mit dem Vertrag würden die Mitgliedsstaaten auf den schrittweisen Ausbau ihrer militärischen Kapazitäten verpflichtet, was im Klartext Aufrüstung heiße.

Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin sagte, erstmals werde mit dem Lissaboner Vertrag die Grundrechtecharta rechtsverbindlich. Das widerlege das "Geschwätz" von einem wirtschaftsliberalen Europa. Im Übrigen sollte die Linke endlich anerkennen, dass Europa eine gemeinsame Antwort auf die Globalisierung finden musste, und dies sei mit dem EU-Reformvertrag gelungen.

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