Klassengesellschaft

Grass bezeichnet Steuerhinterzieher als "Asoziale"

Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat Steuerhinterzieher in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft als "Asoziale" gebrandmarkt. "Hier hat sich eine Minderheit, die sich gern als Führungselite sieht, von der demokratischen Gesellschaft verabschiedet, ist also asozial geworden", sagte Grass beim Auftakt für den Wahlkampfendspurt der SPD zur Hamburger Bürgerschaftswahl vor knapp 700 Menschen am Montagabend in der Hansestadt. "Wir sind gezwungen, den Begriff des Asozialen neu zu definieren", meint Grass.

Der Schriftsteller sagte, was früher am Rande der Gesellschaft stattgefunden habe und mit dem Begriff des Asozialen umrissen worden sei, spiele sich heute in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft ab. Und dies seien keine Einzelfälle, "das Alphabet zeigt die Spannweite der schamlos sich bereichernden Kaste von Ackermann bis Zumwinkel".

In Anlehnung an ein bekanntes Shakespeare-Zitat sagte Grass: "Etwas ist faul, und zwar hierzulande. Den faulen Geruch spürt man auch in Deutschland." Deswegen seien der Gesetzgeber und die SPD in der großen Koalition ebenso gefordert wie der Bundesverband der Deutschen Industrie und die Handelskammern.

Ein reiches Land, in dem man zu Zeiten der sozialen Marktwirtschaft geglaubt habe, die Klassengesellschaft überwunden zu haben, zerfalle gegenwärtig wieder in Klassen, und die Parlamente würden durch einen immer stärkeren Wirtschaftslobbyismus ausgehebelt.

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