"Militärisch ist Afghanistan nicht zu gewinnen"

Jung fordert enge Verzahnung von Bundeswehr und Entwicklungshilfe

So skeptisch wie nie zuvor hat sich der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) über den Einsatz ausländischer Truppen in Afghanistan geäußert. "Mit militärischen Mitteln allein ist Afghanistan nicht zu gewinnen", sagte der Politiker der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Mit Nachdruck plädierte Jung für eine enge Verzahnung der zivilen Entwicklungshilfe mit dem Einsatz von Soldaten. Die internationale Schutztruppe Isaf dürfe nicht als Besatzer auftreten, sondern müsse sich als Unterstützer beim Aufbau des Landes engagieren. Anders sei das Vertrauen der Bevölkerung nicht zu gewinnen.

Jung äußerte Verständnis für die NATO-Forderung, mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Doch als Verantwortlicher für die deutschen Streitkräfte wies er diese Bitte zurück: "Wenn alle soviel tun würden wie wir, dann hätten wir 10.000 Soldaten mehr am Hindukusch." Die Bundeswehr sei dort mit 3500 Mann im Einsatz. "Damit sind wir in Afghanistan der drittgrößte Truppensteller", sagte Jung der Zeitung.

Afghanistan benötigt nach Auffassung von Jung "Hilfe" beim Aufbau einer eigenen "Sicherheitsarchitektur". Das Land müsse in die Lage versetzt werden, selber für eine friedliche Entwicklung zu sorgen. Deshalb unterstütze die Bundeswehr den Aufbau der afghanischen Armee und der Polizei. Dies sei auch für die Sicherheit in Deutschland von großer Bedeutung, sagte Jung. "Niemand kann ein Interesse daran haben, dass Afghanistan zurückfällt und dort wieder Ausbildungslager für Terroristen betrieben werden."

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