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Greenpeace fordert Verbot von 327 "stark giftigen" Pestiziden

168 Spritzmittel der "Giftliste" in EU erlaubt

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace veröffentlichte am 7. Februar eine Liste mit 327 Spritzmitteln, die "besonders gesundheits- und umweltgefährdend" seien. Die Organisation stützt sich hierbei auf eine von ihr in Auftrag gegebene Studie zweier "unabhängiger Experten", die insgesamt 1134 weltweit eingesetzte Pestizide nach vierzehn Kriterien überprüft hätten. 29 Prozent der untersuchten Pestizide seien in eine "Schwarze Liste für gefährliche Pestizide" aufgenommen worden. Darunter seien auch 168 Spritzmittel, die in der Europäischen Union erlaubt seien. Greenpeace fordert die EU auf, diese "gefährlichsten Pestizide" zu verbieten. Auch die Wirtschaft müsse jetzt handeln und die Pestizide sofort aus dem Verkehr ziehen, fordert die Organisation.

In der konventionellen Landwirtschaft würden noch immer in einem alarmierenden Ausmaß hochgefährliche Pestizide auf Obst, Gemüse und Getreide versprüht, so Greenpeace. "Chemikalien, die Krebs auslösen, das Fortpflanzungsvermögen beeinträchtigen oder das Hormon- und Immunsystem schädigen können, gehören nicht auf unser Essen ," meint Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter. "Auch umweltgefährliche Stoffe, die Bienen oder Vögel bedrohen und das Grundwasser belasten, darf die EU nicht mehr zulassen." Die jetzt in Brüssel diskutierte Verordnung zur Pestizidzulassung müsse entsprechend "verbessert" werden.

Nach Angaben der Umweltschützer nehmen die Verbraucher 13 der gefährli Essen n Pestizide besonders häufig über das Essen auf: So das BASF-Produkt Iprodion, "das trotz seiner vermutlich krebserregenden Wirkung zugelassen wurde". Es werde von Greenpeace und staatlichen Labors häufig in Tafeltrauben, Salaten und Erdbeeren nachgewiesen. Ähnlich Imazalil von Syngenta und Bayer, das in gespritzten Zitrusfrüchten häufig sogar in Konzentrationen über den gesetzlichen Grenzwerten stecke. Es gilt den Angaben zufolge als akut giftig und kann vermutlich Krebs auslösen und die Fortpflanzung schädigen.

Einige ausländische Supermarktketten hätten die Gefahr durch Pestizide früh erkannt und führen seit Jahren eigene "Schwarze Listen" für gefährliche Pestizide. So habe Coop in England unter anderem das von der EU erlaubte Insektengift Fenamiphos als zu gefährlich verbannt. "Deutsche Supermärkte haben beim Verbannen von Pestiziden Nachholbedarf", meint Krautter und präsentiert sogleich einen ersten Erfolg: "Immerhin hat Marktführer EDEKA nach langen Verhandlungen mit Greenpeace vorgestern angekündigt, noch im Jahr 2008 eine Ausschlussliste für gefährliche Pestizide vorzulegen."

Greenpeace bemängelt, dass vielfach öffentlich zugängliche Daten zur Gefährlichkeit von Pestizide fehlten. "Obwohl die Autoren der Studie Informationen aus über zwanzig internationalen Datenbanken heranzogen, konnten 564 oder 50 Prozent der untersuchten Pestizidwirkstoffe aus Datenmangel nicht bewertet werden." Weitere 243 Pestizide wurden als weniger gefährlich eingestuft.

Am 31. Januar hatte Greenpeace bereits eine Studie mit dem Titel "Grenzen der Pestizidanalytik" vorgestellt, nach der über die Hälfte der bislang bekannten Spritzmittel von staatlichen Labors nicht nachgewiesen werden können. Greenpeace fordert einen Anwendungsstopp auch für solche Gifte.

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