Politik wolle schlechte Nachrichten vermeiden
Bundeswehr-Offiziere wollen in Afghanistan richtig Krieg führen dürfen
Die Befehlsstrukturen der deutschen Bundeswehr unterscheiden sich offenbar von denen des Auslands. Bei den US-amerikanischen und russischen Streitkräften gilt eine "Befehlstaktik", bei der nach der Definition der Handbücher das Verhalten der Ausführenden relativ genau festgelegt ist. Im Gegensatz dazu gehört zu den obersten Prinzipien der Bundeswehr die "Auftragstaktik". Sie lässt den Durchführenden Militärs einen stärkeren Handlungsspielraum in der Realisierung und in der Wahl der einzusetzenden Mittel. Darauf Pochen Offiziere nun.
Noch nie wurde nach Aussage von Offizieren wegen des Afghanistan-Krieges soviel an Flexibilität von der Truppe verlangt wie jetzt. Bei den neuen Herausforderungen müssten die Soldaten die Möglichkeit haben, "schlimmstenfalls in eigener Regie und Verantwortung schnell die nötigen militärischen Entscheidungen allein zu treffen", fordern Militärs. Aus dem Verteidigungsministerium würden "zu oft und zu viel" Weisungen erteilt, wie sich die Truppe im Einzelfall zu verhalten habe.
Angeblich drohen Offiziere bereits mit dem Ignorieren von politischen Weisungen: "Wenn es militärisch geboten scheint, müssen wir notgedrungen gegen solche Weisungen eben auch mal verstoßen." Sie kritisieren, dass von Berlin aus zu oft "vom Schreibtisch aus die wirkliche Lage in Afghanistan beurteilt wird".
Zu den Kritikern zählt offenbar General Dieter Warnecke, der im vergangenen halben Jahr das Kommando im nördlichen afghanischen Verantwortungsbereich der Bundeswehr geführt hat. Auf einem Sicherheitsforum auf dem Petersberg bei Bonn habe er gesagt, in Teilen Afghanistans herrschten "kriegsähnliche Verhältnisse". Die Soldaten der Bundeswehr müssten sich auf "offensive militärische Operationen" einstellen. "Gerade bei diesen bevorstehenden Einsätzen sind wir darauf angewiesen, nach unserer bewährten Auftragstaktik vorgehen zu können", fordern Offiziere in Kabul.
Für die offensive Kriegsführung bereitet sich die Bundeswehr jetzt auch auf die Übernahme der Schnellen Eingreiftruppe für Nordafghanistan zum 1. Juli dieses Jahres vor. Der Kampfverband wird von Teilen der Panzerbrigade 21 in Augustdorf gestellt und soll rund 250 Mann umfassen. Bisher hat Norwegen die Aufgaben der sogenannten Quick Reaction Force übernommen. Die Norweger wollen sich allerdings aus Afghanistan zurückziehen.
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Am 17. Mär. 2008 unter:
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