headerquote

Seite 1 bei Google kann so einfach sein.

unabhängige Autoren mit eigener Meinung

Nahostexperte Tilgner verlässt ZDF wegen Beschränkungen bei Berichterstattung

Fehlende Pressefreiheit in Deutschland?

Heftig kritisieren deutsche Medien derzeit die Berichterstattung in China. Ein in Asien arbeitender Journalist kritisiert jetzt offenbar Zensur in Deutschland: Der Leiter des ZDF-Büros in Teheran und ZDF-Sonderkorrespondent für den Nahen und Mittleren Osten, Ulrich Tilgner, habe im Herbst 2007 seinen Vertrag mit dem deutschen Fernseh-Sender nicht verlängert und verlasse das ZDF, berichtet das Schweizer Migros-Magazin. Der prominente Nahostexperte begründet seinen Schritt damit, dass er sich in Deutschland in seiner Arbeit zunehmend eingeschränkt fühle, "gerade auch was die Berichterstattung aus Afghanistan angeht, jetzt, wo dort deutsche Soldaten sterben." Es gebe "Bündnisrücksichten", die sich in der redaktionellen Unabhängigkeit der Sender widerspiegelten. Gleichzeitig werde Politik immer mehr in Nischen verdrängt. Erst kürzlich hatte Tilgner in einem Interview heftige Kritik am ZDF geäußert. "Wenn die politische Berichterstattung von Kollegen gemacht wird, die mit der Bundeswehr kommen, und ich für eine Art journalistischer Folklore zuständig bin, dann habe ich ein Problem", so Tilgner. Embedded journalism ist inzwischen wohl auch in Deutschland weit verbreitet.

Tilgner berichtet offenbar ab dem 1. April 2008 hauptsächlich für das Schweizer Fernsehen SF, so das Migros-Magazin. In der Schweiz hingegen seien Sendungen wie "Tagesschau" oder "10vor10" Institutionen. Dort habe er noch keine "Eingriffe" in seine Arbeit erlebt.

Der 60jährige Tilgner berichtet seit 1982 über den Nahen und mittleren Osten. Seit 2002 leitet der gebürtige Bremer das ZDF-Büro in Teheran. Für seine Berichterstattung über den Irak-Krieg erhielt der Reporter 2003 den Hanns-Joachim-Friedrich-Preis für Fernsehjournalismus. "Unter den extremen Bedingungen der Kriegsberichterstattung" hat er offenbar versucht, seine journalistische Unabhängigkeit zu bewahren. Das war beim ZDF offenbar unerwünscht.

Aufstand der ZDF-Korrespondenten: Beim ZDF ist es eher wie bei der "Bild"-Zeitung

Die Programmzeitschrift "Gong" berichtete unlängst über die Kritik mehrerer Auslandskorrespondenten des ZDF. So klagt Alexander von Sobeck, Studiochef in Paris, "dass wir immer stärker mit der privaten Konkurrenz mitschwimmen und leider unseren öffentlich-rechtlichen Auftrag vernachlässigen".

Sein Londoner Kollege, Ruprecht Eser, sieht "ganz klar eine Tendenz zur Verflachung". Ein Bericht über den Premierminister und seine politischen Probleme sei eher schwierig unterzubringen. "Ein Skandal aus dem Königshaus dagegen geht immer", kritisiert Eser.

Den Balkan-Korrespondenten des ZDF, Klaus Prömpers, beschleicht bisweilen das Gefühl, dass es im ZDF eher wie bei der "Bild"-Zeitung sei. Angefangen habe er aber bei der "FAZ des Fernsehens". Uwe Kröger, der für das ZDF aus New York berichtet, sagte, es gebe kaum mehr Sendezeit für politische Dokumentationen.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!