Scharfe Kritik an Bahn-Chef Mehdorn
Bahnspende für Gedenkzug wäre für Zentralrat der Juden ein "Ablasshandel"
Nach Angaben des Generalsekretärs des Zentralrates, Stephan Kramer, wollen weder jüdische Organisationen noch die Ausstellungsmacher das Geld annehmen. "Das sieht nach Ablasshandel aus", sagte Kramer. Schlimmer noch: Es lasse vermuten, dass man im Bahnvorstand glaube, "dass insbesondere die jüdischen Stimmen kaufbar wären mit 100.000 Euro". Damit bediene Mehdorn antisemitische Klischees, kritisierte Kramer. Der Bahnchef müsse sich fragen, ob das der richtige Weg sei, mit dem Thema umzugehen. "Wir wollen dieses Geld nicht, wir brauchen dieses Geld nicht, weder die jüdische Gemeinschaft noch die Ausstellung", sagte der Generalsekretär.
Der Sprecher der Initiative "Zug der Erinnerung", Hans-Rüdiger Minow, wollte sich dazu nicht äußern. Seinem Verein sei das Geld bisher nicht angeboten worden. Deshalb wolle er auch nichts dazu sagen, ob seine Initiative die Spende gegebenenfalls annehmen werde. Am 13. April hätten im Berliner Ostbahnhof rund 10.000 Menschen die Ausstellung besichtigt, für den 14. April rechnete er mit einer ähnlich hohen Zahl an Besuchern. "Bei uns steht das Gedenken im Vordergrund - und nicht die Auseinandersetzung mit der Deutschen Bahn", sagte Minow.
Die Bahn verlangt nach Angaben der Organisatoren für den "Zug der Erinnerung" hohe Streckengebühren. In den drei Waggons werden Fotos und Lebenszeugnisse von deportierten Kindern und Jugendlichen aus ganz Europa gezeigt. Am 14. April sollte die Dampflok den Ostbahnhof wieder verlassen, nächste Stationen sind die Berliner Bahnhöfe Lichtenberg, Schöneweide, Westhafen und Grunewald.
Einen Stopp am Berliner Hauptbahnhof hatte die Deutsche Bahn AG abgelehnt und als Begründung "verkehrstechnische Gründe" genannt. Der Zug startete am 8. November 2007 in Frankfurt am Main. Ziel ist die Gedenkstätte Auschwitz in Polen am 8. Mai.
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Am 14. Apr. 2008 unter:
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