Weltagrarbericht
Forderung nach lokaler statt globaler Landwirtschaft
Die Ergebnisse kämen gerade zur rechten Zeit, meint Buntzel. "Die Hungeraufstände in Ägypten, Kamerun und Haiti haben der Welt vor Augen geführt, dass die Armen vom technischen Fortschritt bei der Nahrungsmittelproduktion wenig hatten."
Das Hungerproblem wird nach Auffassung des Entwicklungsdienstes "nicht dadurch gelöst, dass die Landwirtschaft um jeden Preis modernisiert wird". Wegweisend sei vielmehr eine Agrarentwicklung, die Landwirtschaft in den vielfältigsten Formen auf der Welt berücksichtige. Um arme Bauern, die 70 Prozent aller Hungernden ausmachten, am Fortschritt teilhaben zu lassen, müsse die Landwirtschaft "standortgerecht" sein und "die lokalen Märkte erschließen".
"Die Liberalisierung der Nahrungsmittelmärkte hat die Landwirte der armen Länder in den Ruin getrieben"
"Die Liberalisierung der Nahrungsmittelmärkte hat die Landwirte der armen Länder in den Ruin getrieben. Es wurde nur die Macht der Brotkörbe dieser Welt gestärkt - die der Prärien Nord- und Südamerikas und der ackerbaulich günstigen Gebiete Europas", kritisiert der Evangelische Entwicklungsdienst. "Das rächt sich jetzt, da die Weltmarktpreise plötzlich auf ungeahnte Höhen gestiegen sind." Die importierten Nahrungsmittel seien für die Armen unerschwinglich geworden.
"Der neue internationale wissenschaftliche Konsens" stelle jetzt zu Recht global einheitliche Lösungen für Technik und den ungehinderten Agrarhandel in Frage.
Der Evangelische Entwicklungsdienst fühlt sich laut Buntzel durch den Agrarbericht in seiner Konzeption der ländlichen Entwicklungsarbeit bestätigt. "Wir haben immer auf die Fähigkeiten der Bauern, auf die Verbesserung ihrer traditionellen Methoden und ihrer eigenen Kultursorten gesetzt. Wir vertrauen nicht auf Agrarchemie, Laborwissenschaften und Gentechnik. Außerdem stehen wir für die nationale Selbstversorgung der armen Länder mit Grundnahrungsmitteln ein, statt Bauern darauf zu orientieren, für den Weltmarkt zu produzieren und die Lebensmittel zu importieren", so Buntzel.
Gerade in Afrika sei eine "Agrarwende" notwendig. Die Menschen dort müssten ermutigt und befähigt werden, "mit eigenen Mitteln und Können" ihre Erträge zu steigern. Landwirtschaft müsse sich auch bei den Bauern in Entwicklungsländern wieder lohnen. "Die weltweiten Preissteigerungen für Nahrungsmittel kommen nur bei ihnen an, wenn die Zuwächse nicht gleich wieder durch höhere Betriebsmittelkosten aufgezehrt werden und wenn die Märkte wieder lokal bedient werden", meint Buntzel.
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Am 22. Apr. 2008 unter:
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