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Rund 2000 Menschen demonstrierten in Braunschweig für höhere Renten

"1,1 Prozent sind ein Witz"

Für Jürgen Neumann ist die Situation als Rentner einfach unbefriedigend. Niemals hätte er sich vorstellen können, jeden Euro fünf Mal umdrehen zu müsse, sagt er. Um seine und die Lage von 20 Millionen anderen Rentnern in Deutschland zu verbessern, ist er am 28. April dem Aufruf zu einer Protestaktion in Braunschweig gefolgt. Gekommen sind nach Angaben der Initiative "Rentner machen mobil" rund 2000 Menschen. Bei einer Andacht im Dom und einer anschließenden Kundgebung auf dem Burgplatz machen sie ihrem Ärger Luft. "Ich vermisse die Gerechtigkeit", sagt Neumann. Das Geld zu sparen sei ja da, es wandere nur in die falschen Töpfe.

Der 57-Jährige ist Mitglied von "Rentner machen mobil", die bislang aus gerade mal 18 Mitgliedern besteht. Entstanden war sie aber erst vor rund vier Wochen, nachdem Walter Bromberger, der mittlerweile Vorsitzender der Initiative ist, in einer Fernsehsendung seine Lage als Rentner geschildert hatte.

Bromberger selbst sieht sich als "durchschnittlicher Rentner". Um mit dem Geld auszukommen, hätten er und seine Frau sich einschränken müssen. So sei man in eine kleinere Wohnung gezogen. Das bedeute aber auch weniger Besuche bei den Kindern, die in anderen Städten lebten.

Andere hätten es aber noch weitaus schwerer, sagt Bromberger - und stellt Käthe Trostdorf vor. Die Rentnerin Mitte 70 lebe von rund 150 Euro im Monat. Sie habe neun Enkel, denen sie noch nie etwas habe schenken können, erzählt er.

"Die angekündigte Rentenerhöhung von 1,1 Prozent ist ein Witz", sagt Bromberger in seiner Kundgebungsrede empört. Er spricht sich für eine Rentenerhöhung aus, die "erheblich über der jährlichen Inflationsrate liegt".

Die Forderungen der Initiative, die demnächst auch auf dem Schreibtisch der Kanzlerin landen sollen, dürften jedoch nicht auf Kosten der Jüngeren gehen, betont er. Neumann fügt hinzu: "Ein Generationenkonflikt ist das Letzte, was wir wollen." Bromberger schlägt zur Umsetzung der Forderungen das Schweizer Modell oder eine Bürgerversicherung vor.

Aussagen wie jene von Ex-Bundespräsidenten Roman Herzog von der "Rentnerdemokratie", in der die Älteren gegenüber den Jüngeren zu viel Beachtung fänden, empfindet Bromberger als "beleidigend". Auch weist er die Äußerung eines FDP-Politikers zurück, der in einer Talkshow ein "Langlebigkeitsproblem" in Deutschland ausgemacht haben wollte. Die Demonstranten quittieren den Begriff mit Buhrufen.

Applaus gibt es hingegen für die Forderungen von "Rentner machen mobil". Die Rentenerhöhungen jenseits der Inflationsrate ist nur eine davon. Diese Erhöhungen sollen je nach Höhe der Rente gestaffelt werden. Zudem sollen nur Rentner Auszahlungen erhalten, die zuvor eingezahlt haben. Ferner plädiert Bromberger für die Abschaffung der Praxisgebühr und der Medikamenten-Zuzahlungspflicht für Rentner. Für Frauen müsse es eine "bessere Bewertung der Erziehungszeiten" geben.

"Ich bin ein ebenso gefrusteter Rentner wie Sie auch", ruft Bromberger den Kundgebungsteilnehmern zu. Dabei klingt Wut auf die Politik mit.

Für den Herbst planen die Initiatoren eine bundesweite Sternfahrt nach Berlin. Man habe schon einige Gruppen aus Süd- und Westdeutschland für die Idee gewinnen können, sagt Bromberger. Die Braunschweiger Demonstrationen, die die Leipziger Montagsdemonstrationen zum Vorbild haben, sollen ebenfalls weitergehen.

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