Großmann will auf Zeit spielen
RWE will Biblis A durch lange Revision über Bundestagswahl retten
Der Energiekonzern hofft nach der Bundestagswahl im September 2009 auf ein günstigeres politisches Klima für Atomkraft in Deutschland. Laut RWE-Sprecher Lambertz erfolge die "turnusmäßige Revision" von Biblis A aber nicht nur aus taktischen Gründen. Der älteste noch am Netz hängende Kernreaktor in Deutschland solle modernisiert werden, um für eine mögliche Strommengenübertragung gerüstet zu sein.
RWE versucht derzeit nach eigenen Angaben noch, zwei Strommengenübertragungsanträge auf juristischem Weg einzuklagen. Über eine Strommengenübertragung aus dem Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich muss das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entscheiden. Über einen Antrag zur Strommengenübertragung aus dem Kraftwerk Emsland muss der Verwaltungsgerichtshof in Kassel entscheiden.
Glos wirbt für Festhalten an Kernenergie - Heil sagt Nein Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) war unterdessen erneut trotz des Widerstands des Koalitionspartners SPD für Korrekturen am geplanten Atomausstieg. Glos sagte der CSU-Zeitung "Bayernkurier": "Die Kernenergie hat weltweit eine Renaissance." Ihre Nutzung sei auch deshalb weiterhin nötig, "um Zeit zu haben, die erneuerbaren Energien weiterentwickeln zu können".
Glos fügte in dem am Donnerstag veröffentlichten Interview hinzu, Deutschland sei mittlerweile mit seiner ablehnenden Haltung zur Kernenergie "international isoliert". Es sei falsch, Kernkraftwerke abzuschalten, "die preiswert und CO2-frei Strom produzieren". Der CSU-Politiker betonte: "Das vertragen weder der Geldbeutel des Verbrauchers noch die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes und erst recht nicht die Umwelt."
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte dagegen, es bleibe beim Atomausstieg. "Atomkraft ist keine sichere Technologie. Und es hat mit den Strom-, Heizkosten- und Benzinpreis-Diskussionen im Moment überhaupt nichts zu tun, dass wir geordnet raus wollen aus der Atomkraft", sagte Heil am Donnerstag im RBB-Inforadio.
Der Atomkonsens sehe im Übrigen vor, dass Laufzeiten einzelner älterer Meiler auf jüngere Kraftwerke übertragen werden können, betonte Heil weiter. Die Gesamtmenge der Restlaufzeiten dürfe sich aber nicht verlängern, weil sonst Investitionen in moderne Kraftwerkstechnik, in Kraft-Wärme-Kopplung bei konventionellen Kraftwerken und in erneuerbare Energien unterbleiben würden.
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