2000, 3000 oder 4000 neue Atomkraftwerke

UNEP-Chef Steiner enttäuscht vom G8-Gipfel - Merkel zufrieden

Der Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Achim Steiner, zeigt sich enttäuscht vom G8-Gipfel in Japan. Wenn die unverbindliche Klimaeinigung der führenden Industrienationen das "große Signal" sein solle, als das es jetzt hingestellt werde, dann sei das schon "ernüchternd", sagte Steiner am Mittwoch (9. Juli) im ARD-"Morgenmagazin". Er vermisse konkrete Zwischenziele, wie die klimaschädlichen Treibhausgase in nachvollziehbaren Schritten und Etappen beispielsweise bis 2020 reduziert werden können. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war dagegen ganz zufrieden.

Auch der von vielen gefeierte Erfolg, die USA in die Klimavereinbarung einzubeziehen, muss nach Ansicht Steiners deutlich gedämpfter betrachtet werden. Fast das gleiche Ergebnis sei ja schon beim letzten G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm erreicht worden, sagte er. Immerhin hätten sich aber die Vereinigten Staaten in den vergangenen 24 Monaten bewegt und seien heute Teil der weltweiten Klimainitiative.

Nachdrücklich warnte Steiner davor, zur Erreichung der Klimaschutzziele verstärkt auf die Atomkraft zu setzen. Zwar sei sie "eine technologische Option", doch könne sie "nicht die alleinige Lösung" sein. Wenn die Ziele des Weltklimarates mit Hilfe der Kernenergie umgesetzt werden sollen, müssten "weltweit 2000, 3000 oder 4000 neue Atomkraftwerke" gebaut werden. "Ich glaube, keiner wird behaupten, dass das ein realistisches Szenario ist."Merkel zufrieden mit G8-Gipfel

Merkel zeigte sich hingegen zufrieden mit den Ergebnissen des G8-Gipfels. Es sei "ein sehr erfolgreiches Meeting" gewesen, sagte Merkel am Mittwoch zum Abschluss des dreitägigen Forums in Toyako. Beim Klimaschutz sei man "deutlich weitergekommen" und es sei klar, dass kein Land auf der Welt heute allein die Probleme lösen könne.

Die G8-Staaten hatten sich am Dienstag prinzipiell darauf verständigt, bis 2050 die CO2-Emissionen um 50 Prozent zu senken. Am Mittwoch lehnten aber wichtige Schwellenländern konkrete Ziele im Kampf gegen den Klimawandel ab. Lediglich der Wille zu gemeinsamen Maßnahmen zum Klimaschutz wurde erneuert.

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