Seen und Flüsse nach Atomunfall gesperrt
Französische Atomfabrik setzte radioaktives Uran in die Umwelt frei
Die französische Präfektur teilte mit, Messungen hätten in den Gewässern zunächst Uran-Konzentration weit oberhalb des Normalwerts ergeben. Durch Verdünnung seien die Werte mittlerweile zurückgegangen. Im Grundwasser sei keine erhöhte Uran-Konzentration gemessen worden. Über die absolut freigesetzten Mengen Uran gab es widersprüchliche Angaben.
Nach Auffassung der Ärzteorganisation IPPNW müsse man hinsichtlich der freigesetzten Uranmengen und der Abschätzung der Gefahr aber ohnehin, "wie beim Thema Atomenergie üblich, mit gezielten Falschinformationen rechnen". Die Gefahr für die Bevölkerung sei insofern nicht abschätzbar. Allerdings zeige der Umstand, dass die Behörden die Wasserentnahme, das Baden und das Fischen in den betroffenen Gewässern verboten hätten, "dass erhebliche Risiken für die Gesundheit der Bevölkerung bestehen".
Laut IPPNW stellt das in die Flüsse Rhône, Gaffière, Mayre Girardes und Lauzon gelangte Schwermetall Uran bei einer möglichen Aufnahme in den menschlichen Körper einerseits wegen seiner Toxizität eine Gefahr für die Gesundheit dar. Andererseits habe der Alpha-Strahler bei gleicher Energiedosis ein viel höheres zellschädigendes und somit krebsauslösendes Potenzial als beispielsweise ein Gammastrahler.
Atomaufsicht: Atomanlage war wegen Arbeiten undicht
Nach Darstellung der französischen Atomaufsichtsbehörde ASN kam es zu der Freisetzung des Urans, weil in einer Anlage zur Behandlung von Uranlösungen ein Kessel übergelaufen sei. Das Rückhaltebecken sei wegen Arbeiten undicht gewesen.
Der Uranunfall in der französischen Atomfabrik demonstriert daher nach Auffassung der IPPNW "erneut, dass entgegen der offiziellen Darstellung von Regierungen und Atomindustrie, in Atomanlagen kaum ein höheres Sicherheitsniveau herrscht als in anderen Industrieanlagen".
Gefährliche Schlampereien bei Arbeiten seien auch in deutschen Atomkraftwerken wie Biblis an der Tagesordnung, so die IPPNW. Die offizielle Auswertung "meldepflichtiger Ereignisse" für das hessische Atomkraftwerk habe ergeben, dass allein in den Jahren 2002 bis 2004 vielfach Arbeiten an sicherheitsrelevanten Komponenten fehlerhaft durchgeführt worden seien.
Der französischen Atomkonzerns AREVA, der gemeinsam mit Siemens in Finnland ein neues Atomkraftwerk baut, teilte mit, man habe der Aufsichtsbehörde empfohlen, den Zwischenfall als Stufe 1 auf einer siebenstufigen Skala zu klassifizieren. Greenpeace nannte dagegen die Stufe drei korrekt, weil radioaktives Material in die Umwelt gelangt sei. Die Maßnahmen der Präfektur sprächen sogar für Stufe fünf.
Deutscher Umwelt-Staatssekretär warnt vor Relativierung
Der deutsche Umwelt-Staatssekretär Michael Müller (SPD) warnte davor, den Vorfall auf die leichte Schulter zu nehmen. "Es ist keine Kleinigkeit, wenn radioaktives Uran in den Boden gelangt", sagte Müller. Auch zeige der Vorfall, dass "in Atomkraftwerken immer wieder Dinge passieren, mit denen keiner rechnet". Auch in Deutschland, wo es angeblich die sichersten Atomkraftwerke der Welt gebe, seien wiederholt nur mit Glück größere Zwischenfälle vermieden worden. "Es ist nicht so, dass das alles unproblematisch ist", so Müller.
Müller wandte sich dagegen, die Angelegenheit zu relativieren. Er wies darauf hin, dass gemessene Strahlungswerte "unglaublich über den Grenzwerten" lagen. Für eine genauere Bewertung habe er die Gesellschaft für Strahlenschutz um eine Analyse des Vorfalls gebeten.
Der unabhängige Forschungs- und Informationsausschuss für Radioaktivität (CRIIRAD) warnte ebenfalls davor, den Zwischenfall auf die leichte Schulter zu nehmen: Die Zahl der Vorfälle in Tricastin habe zugenommen und weise darauf hin, dass die Abfallentsorgung sich verschlechtert habe, "obwohl die Anlage sich eigentlich entwickeln soll".
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Am 09. Jul. 2008 unter:
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