"Keine rechtsextreme Szene"
Jugendlicher in Templin krankenhausreif geprügelt
Laut Staatsanwaltschaft ist der mutmaßliche Täter der rechten Szene zuzurechnen. Gegen den jungen Mann aus Milmersdorf wurde Haftbefehl wegen schwerer Körperverletzung erlassen, er war am Montag nach seiner Flucht festgenommen worden. Die Tat sei am "Rande eines versuchten Tötungsdelikts" anzusiedeln. Einen rechtsextremen Hintergrund schließt die Staatsanwaltschaft derzeit aus.
Der 19-Jährige habe die Tat gestanden und angegeben, "ausgetickt" zu sein. Er ist wegen Körperverletzung vorbestraft und wurde vor knapp zwei Monaten aus dem Jugendstrafvollzug entlassen. Erst Mitte Juli hatte Templin bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, als ein arbeitsloser Mann vermutlich von zwei Neonazis zu Tode geprügelt wurde.
Nach der Tat hatte Bürgermeister Ulrich Schoeneich (parteilos) erklärt, es gebe in der Stadt keine rechtsextreme Szene. Auch nach dem jüngsten Vorfall hob Schoeneich nun hervor: "Templin ist keine besondere Stadt, sie ist nicht besonders rechts oder links."
Er sei von der Staatsanwaltschaft bislang nicht über den verprügelten Jugendlichen informiert worden, sagte der Bürgermeister. Es stelle sich aber die Frage, was "wirklich rechts" sei. Nach jedem Dorffest gebe es zum Schluss meist eine Prügelei. Es sei immer schlimm, wenn Menschen verletzt würden - egal ob durch Anhänger der rechten oder der linken Szene. Für den 23. August sei ein Benefizkonzert gegen Gewalt geplant, bei der die Stadt Mitveranstalter sei.
Nach Ansicht von Johanna Kretschmann von der Organisation Opferperspektive hat Templin dagegen vor allem ein Problem mit rechter Gewalt. "Im letzten Jahr gab es eine erschreckend hohe Anzahl rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten", berichtete sie. "Es ist wichtig, dieses Problem zu benennen." Alleine zwischen Juni 2007 und Juli 2008 seien in Templin zehn rechtsextremistisch motivierte Taten gezählt worden, damit spiele die Kleinstadt "in einer Liga mit Cottbus oder Potsdam".
Der Chef des Mobilen Beratungsteams, Dirk Wilking, hält eine "Präzisierung" der geplanten Anti-Gewalt-Kundgebung in eine Veranstaltung gegen rechte Gewalt für sinnvoll. Es sei häufig ein "Reflex der Hilflosigkeit", das Problem zu leugnen, da es keine einfache Lösung dafür gebe. Mit Blick auf den jüngsten Übergriff gab Wilking jedoch zu bedenken: "Eine rechtsextremistische Tat ist etwas anderes als die Tat eines Rechtsextremisten."
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Am 12. Aug. 2008 unter:
justizStichworte:
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Tiefensee fordert Finanzhilfen für arme Regionen im Westen »

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