"Ersetzen keine bestehenden Arbeitsplätze"

Gesundheitsministerium will Einsatz von Arbeitslosen in Demenzbetreuung

Das Bundesgesundheitsministerium und die Bundesagentur für Arbeit (BA) haben den geplanten Einsatz von Langzeitarbeitslosen in Pflegeheimen verteidigt. Die Stellen würden zusätzlich eingerichtet und ersetzten keine bestehenden Arbeitsplätze, behauptete ein Ministeriumssprecher in Berlin. Die Bundesagentur betonte, die Arbeitslosen sollten "nicht vorrangig" für Pflegetätigkeiten, sondern für zusätzliche Betreuung wie Spaziergänge oder Vorlesen eingesetzt werden. Das Diakonische Werk lobte den Vorstoß. Gegenwehr kam dagegen von der Arbeiterwohlfahrt.

Es gehe darum, bei der Versorgung von Demenzkranken eine Lücke zu schließen, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater. Gerade altersverwirrte Menschen müssten ständig jemanden haben, der ihnen etwa beim Malen, Basteln, Kochen, Musizieren helfe oder mit ihnen Kulturveranstaltungen und Gottesdienste besuche. Das sei nicht die Aufgabe der Fachkräfte. Genau an diesem Punkt sollten daher die Arbeitslosen zum Einsatz kommen.

Der Sprecher rief dazu auf, mit dem Thema "ruhig und sachlich" umzugehen. Die derzeitige Debatte enthalte durchaus "Elemente der Arroganz und des nicht gerechtfertigten Misstrauens" gegenüber Arbeitslosen.

Nach den BA-Plänen sollen mehrere Tausend Arbeitskräfte als Pflegeassistenten ab Herbst zusätzlich eingesetzt werden, um geistig verwirrte Menschen zu versorgen. Der Behörde zufolge könnten bis zu 10.000 Stellen neu entstehen. Der Vorstoß hatte am Wochenende geteilte Reaktionen hervorgerufen. FDP und mehrere Pflegeexperten hatten die Pläne heftig kritisiert.

Auch die BA plädierte für eine sachliche Debatte. Es gehe nicht darum, reguläre Arbeitsplätze in der Pflege zu ersetzen oder zu verdrängen, behauptete die Behörde. Es sollten ausschließlich zusätzliche Angebote für Demenzkranke entstehen - von betreuten Spaziergängen bis zum Musizieren.

Die BA geht nach eigenen Angaben bereits auf Pflegeheime zu, um Stellenangebote für zusätzliche Betreuer zu sammeln. Bislang seien rund 500 Stellen gemeldet worden. Nach Angaben der BA sind derzeit rund 35.000 Altenpfleger und Altenpflegehelfer arbeitslos gemeldet und 63.000 als arbeitsuchend.

Das Diakonische Werk steht dem Vorschlag "grundsätzlich positiv" gegenüber, wie Präsident Klaus-Dieter Kottnik sagte. Die Diakonie spreche sich schon seit langem dafür aus, "dass Langzeitarbeitslose Chancen in der Pflege bekommen". Es sei allerdings nicht jeder für eine Tätigkeit im Pflegeheim geeignet. Für die Arbeit mit Alzheimer-Kranken brauche man "ein spezielles Verständnis", sagte Kottnik. Ein Einsatz von Arbeitslosen für Zusatzaufgaben, für die es ansonsten zu wenig Personal gebe, sei aber denkbar.

Die Arbeiterwohlfahrt kündigte dagegen Widerstand gegen die Pläne an. Niemand könne zu Aufgaben verpflichtet werden, für die er weder geeignet sei noch eine entsprechende Neigung habe, sagte Bundesgeschäftsführer Rainer Brückers. "Wir werden uns als Träger mit aller Kraft gegen Menschen sperren, die wir zwangsweise zugewiesen bekommen und die dies nur aus Not heraus machen", so Brückers.

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