"Verbreitungsgebiete verlagern"

Bis zu 30 Prozent der Arten sollen durch Klimawandel bedroht sein

Nach Einschätzung von Naturschutzexperten bedroht der Klimawandel massiv die Artenvielfalt in Deutschland. "Durch den Klimawandel könnten hierzulande zwischen fünf und 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten verschwinden", sagte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), Beate Jessel, am Dienstag (16. September) in Karlsruhe. Dies bedeute allerdings nicht, dass die betroffenen Arten zwangsläufig aussterben. Sie könnten auch "ihre Verbreitungsgebiete verlagern", vor allem nach Norden. Gefährdet seien vor allem Arten im alpinen Raum, im Wattenmeer sowie in einzelnen Mooren und Feuchtgebieten, sagte Jessel anlässlich der Eröffnung des Deutschen Naturschutztags. Sie beklagte auch den großen Flächenverbrauch in Deutschland, der bei 113 Hektar pro Tag liege.

Der baden-württembergische Agrarminister Peter Hauk (CDU) sprach von einer "Renaissance des Naturschutzes". Die Menschen interessierten sich wieder verstärkt für ihre Lebensräume. Mit Blick auf den Klimawandel sagte er: "Die derzeitige Erwärmung ist vom Menschen hausgemacht." Es sei eine "dramatische" Entwicklung zu beobachten, die nicht erst in der Zukunft stattfinde: "Wir sind mitten im Ereignis drin", vermutet der Minister.

Für den Deutschen Naturschutzring (DNR) sagte Manfred Niekisch, es gehe jetzt nicht mehr nur um die Artenvielfalt, sondern "um die Lebensgrundlage der Menschheit" und damit "um eine Überlebensfrage".

Der Deutsche Naturschutztag (DNT) ist der zentrale Fachkongress des behördlichen, privaten und ehrenamtlichen Naturschutzes in Deutschland. Unter dem Motto "Stimmt das Klima? Naturschutz im Umbruch" treffen sich mehr als 800 Teilnehmer bis Freitag in Karlsruhe.

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