"Druck gemacht"
Kernforschungszentrum Karlsruhe soll Asse-Prüfung verhindert haben
In einem Brief an den damaligen Asse-Betreiber, die Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF), schrieb das Kernforschungszentrum am 4. August 1965: "Wir bitten Sie, alle Vorkehrungen zu treffen, so dass noch in diesem Jahr mit der Versuchseinlagerung von radioaktiven Abfällen begonnen werden kann." Andernfalls müsse das Kernforschungszentrum "umgehend Maßnahmen zum Bau einer neuen Lagerhalle ergreifen, was wir angesichts der Finanzlage dringend vermeiden wollen".
In einem zwei Wochen später verfassten Schreiben an das Bundesforschungsministerium warnte die GSF zwar zunächst davor, dem Anliegen aus Karlsruhe stattzugeben: "Nach dem Schreiben handelt es sich nicht um eine Versuchseinlagerung einer begrenzten Anzahl von Fässern, sondern um die Aufnahme eines erheblichen Teiles der radioaktiven Rückstände." Nach Angaben des Jugendumweltnetzwerkes hat die GSF trotz ihrer Bedenken am 18. November 1966 jedoch die Einlagerung radioaktiver Stoffe ins Bergwerk Asse beantragt. Dieser Antrag sei nach nur vier Monaten von den Bergbehörden in Niedersachsen genehmigt worden. Die Einlagerung von nuklearen Abfällen begann im April 1967.
Angesichts der "katastrophalen Zustände" im Atommülllager Asse sei eine weitere Atommüllproduktion nicht zu verantworten, erklärte unterdessen die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW. Offensichtlich seien weder die Energiekonzerne als Verursacher des Atommülls noch die Politik oder die zuständigen Kontrollbehörden in der Lage, für eine sichere Abschirmung der bisher angefallenen Abfälle zu sorgen.
Die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg forderte die Grünen auf, einem Endlager in Gorleben und der weiteren Nutzung der Kernkraft eine Absage zu erteilen. Die Pannen im Atomlager Asse II seien "ein Menetekel für Gorleben", sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe "mit ihren kopflosen Erklärungen pro Atom in den vergangenen Tagen den Rückwärtsgang in der Energiepolitik eingelegt".
Das Bundesumweltministerium wies derweil Vorwürfe der Union zurück, es gebe bislang kein Endlagerkonzept. Tatsächlich habe Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) ein solches Konzept "vor ziemlich genau zwei Jahren" den Spitzen der Koalitionsfraktionen vorgelegt. Allerdings weigere sich die Unions-Fraktion seither "beharrlich, es zur Kenntnis zu nehmen", sagte Ministeriumssprecher Michael Schroeren. Gabriels Plan sieht im Kern vor, dass neben Gorleben noch ein bis zwei weitere Standorte erkundet werden sollen. Die Union lehnt das unter anderem mit Verweis auf zu hohe Kosten ab.
Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!
Am 08. Sep. 2008 unter:
politikStichworte:
« Landes-SPD stärkt Beck den Rücken
Ypsilanti arbeitet weiter an einer rot-grünen Minderheitsregierung »
Unterstützen Sie uns, damit wir ohne störende Werbung gelesen werden können. Ihre freie kostenlose Internetzeitung!
Setzen Sie Banner und Links auf Ihre Seite. Bookmarken Sie uns, und helfen Sie so mit der Verbreitung der wichtigen Inhalte.
Wir suchen Journalisten bzw. Autoren, die Lust haben, die Internet-Zeitung ngo-online gemeinsam zu einer starken Alternative zu den Mainstream-Medien aufzubauen. Machen Sie mit ..MITMACHEN
Platzieren Sie
Ihre Werbung hier
- NRW Justiz: Die Landesregierung ist gefordert
- Senioren: Alt ist, wenn man Seniorenresidenz googelt
- Christian Wulff - Wenn Machtmenschen menscheln
- Diskurs der Rechtspopulisten über Israel
- Photovoltaik-Zubau in Deutschland
- Versammlungsfreiheit - ausschlaggebende Grundlage der Verfassung
- „Cottbus Nazifrei!“ - DASS ist ein MUSS
- Arbeitsrecht: EuGH Urteil enttäuscht
- Finca Mallorca und andere Schnäppchen
- Windenergie wieder auf gutem Weg
