"Verrat an Intention des Begründers"
Friedensratschlag kritisiert Nobelpreis-Komitee
Die Entscheidung des Nobelpreiskomitees, den Friedensnobelpreis 2008 an Martti Ahtisaari zu vergeben, ist nach Auffassung von Strutynski eine Bestätigung der Anklage Heffermehls. Zwar sei richtig, dass Ahtisaari nach seiner Amtszeit als finnischer Staatspräsident zu verschiedenen Konflikten als Vermittler hinzu gezogen worden sei, etwa in Aceh (Indonesien) 2007, im Irak, in Namibia oder in Nordirland 2000. Dafür habe er unter anderem im Mai 2008 den Félix-Houphouët-Boigny-Friedenspreis der UNESCO erhalten.
"Pikanterweise" habe die Lobrede auf den Preisträger aber der frühere US-Außenminister Henry Kissinger gehalten, in den Augen Strutynskis "bis zum heutigen Tag einer der prominentesten Berater von US-Präsident Bush und in seiner Biografie eher ein Brandstifter denn ein Friedensmann".
In schlechter Erinnerung bleibe aber insbesondere die "Leistung" Ahtisaaris im Kosovokonflikt. "Er erarbeitete im Auftrag der UNO den so genannten Ahtisaari-Plan einer 'bewachten Souveränität', der einer staatlichen Unabhängigkeit des Kosovo den Weg bereiten sollte", so Strutynski. "Mit diesem Plan schoss er über sein Mandat und über das Völkerrecht derart hinaus, dass nicht einmal der UN-Sicherheitsrat folgen wollte."
Vor wenigen Tagen habe nun das höchste Organ der UNO, die Generalversammlung, die einseitige Unabhängigkeitserklärung des Kosovo zur Begutachtung an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag überwiesen.
Wenn man die Preisträger der letzten Jahre Revue passieren lasse, so Strutynski, "muss man zum Schluss kommen, dass sie mit der ursprünglichen Idee Nobels tatsächlich nicht mehr viel gemein haben. Manche von ihnen hätten eher einen Umweltpreis oder einen Preis für Menschenrechtsarbeit oder für humanitäre Hilfe bekommen können". Der letzte wirkliche "Friedenspreis", der diesen Namen auch verdiene, sei der 1997 verliehene Preis an die internationale Landminenkampagne gewesen.
2008 nun habe das Nobel-Komitee mit Ahtisaari "einem angesehenen Politiker einen Freundschaftsdienst erwiesen - die vielen unabhängigen Kandidaten, die mit genuiner Arbeit am Frieden, mit Konfliktprävention und friedlicher Konfliktbearbeitung praktisch und theoretisch zu tun haben, gingen wie so oft leer aus", moniert Strutynski und gibt einen Hinweis darauf, warum es zu dieser Entscheidung gekommen sein könnte: "Der Friedenspreis wird von Parlamentariern des norwegischen Reichstags vergeben - auch das nicht im Sinn von Nobel".
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Am 10. Okt. 2008 unter:
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