Sinn zeigt Reue

Nach heftiger Kritik entschuldigt sich der Ifo-Chef für Juden-Vergleich

Einen Tag nach Bekanntwerden seines umstrittenen Juden-Vergleichs hat sich der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, für seine Äußerung entschuldigt. Er "bedauere es sehr", dass sich die jüdische Gemeinschaft dadurch verletzt fühle, schrieb Sinn am Montag (27. Oktober) in einem offenen Brief an die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch. Er bitte um Entschuldigung und nehme den Vergleich zurück. Zuvor hatten Politiker und Verbände Sinn heftig kritisiert. Auch die Bundesregierung hatte den Ökonom zu einer Stellungnahme gedrängt. Knobloch reagierte verhalten auf Sinns Schreiben, nahm seine Entschuldigung aber an. Sinn hatte im "Berliner "Tagesspiegel" eine Parallele zwischen der Managerkritik in der aktuellen Bankenkrise und der Judenverfolgung gezogen. In einem Zeitungsinterview hatte der Ökonom gesagt, in jeder Krise werde nach Schuldigen und nach Sündenböcken gesucht. In der Weltwirtschaftskrise von 1929 habe es in Deutschland die Juden getroffen, "heute sind es die Manager".

Bereits am Sonntag hatte der Vorabbericht des Interviews für Empörung beim Zentralrat der Juden sowie bei den Grünen und der SPD gesorgt.

Am Montag geriet Sinn verschärft unter Beschuss. Saar-SPD-Chef Heiko Maas verlangte, Sinn solle sich "schleunigst für seine Entgleisung entschuldigen oder als Ifo-Chef abtreten". Wer die Anfänge des Holocaust verharmlose, müsse die Konsequenzen tragen, mahnte er. Die Entgleisungen des Leiters des Münchner Ifo-Instituts seien "inakzeptabel und unverantwortlich".

Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn forderte eine Entschuldigung. Die Linke-Bundestagsabgeordnete Petra Pau bezeichnete Sinns Äußerungen als "naiv" und "inakzeptabel".

Schließlich mischte sich die Bundesregierung ein, die das Ifo-Institut bezuschusst. Die von Sinn gezogene Parallele sei "nicht zulässig und falsch", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Eine "Erklärung" zu der Äußerung wäre nun "angemessen", verlangte er. Das Ifo-Institut finanziert sich nach eigenen Angaben zu etwa 50 bis 60 Prozent aus öffentlichen Zuschüssen des Bundes und des Freistaats Bayern.

Sinn folgte den Appellen mit seinem offenen Brief. "Ich habe das Schicksal der Juden nach 1933 in keiner Weise mit der heutigen Situation der Manager vergleichen wollen", heißt es darin, "ein solcher Vergleich wäre absurd." Es sei ihm allein darum gegangen, Verständnis dafür zu wecken, "dass die wirklichen Ursachen weltwirtschaftlicher Krisen Systemfehler sind, die aufgedeckt und beseitigt werden müssen". Die Suche nach vermeintlichen Schuldigen führe stets in die Irre.

Knobloch akzeptierte Sinns Entschuldigung, äußerte sich aber distanziert. In der Aussage von Sinn vermisse sie die "Sensibilität und Authentizität der Vergleiche, vor allem weil in rechtsradikalen Kreisen bereits solche Vorwürfe grassieren". Knobloch betonte: "Ich hoffe sehr, dass Entgleisungen dieser Art ein einmaliges Vorkommnis waren."

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