Ypsilanti hatte sich mit der "Atomlobby" angelegt
RWE-Aufsichtsrat Wolfgang Clement verlässt die SPD
Der 68-jährige begründete am Dienstag seinen Austritt nach 38 Jahren SPD-Mitgliedschaft mit der gegen ihn verhängten Rüge. Außerdem habe die Parteiführung keinen klaren Trennungsstrich zur Linken gezogen.
Clement kritisierte, die Bundesschiedskommission der SPD habe mit ihrem öffentlichen Tadel seine "Wahrnehmung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit" drangsaliert". Außerdem bemängelte er "die Tatsache", dass die SPD-Führung in den Ländern zu einer Zusammenarbeit mit der Linken ermuntere, "obgleich deren Stasi-Verstrickung offenkundig ist".
In seiner Erklärung wandte sich Clement ferner gegen die Wirtschaftspolitik der SPD, die "auf eine Deindustrialisierung unseres Landes hinausläuft". Der frühere NRW-Ministerpräsident kündigte an, sich an den weiteren Diskussionen "nunmehr als Sozialdemokrat ohne Parteibuch nach Kräften beteiligen zu wollen".
Die Clement politisch nahestehenden Politiker in der SPD-Spitze bedauerten den Parteiaustritt. SPD-Chef Franz Müntefering sagte in Berlin: "Es ist schade, dass er nicht weiter in der Partei mitarbeiten will." Nach der "vermittelnden Entscheidung der Bundesschiedskommission" vom Montag wäre für Clement "Platz" in der SPD gewesen.
SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte, "das wirft uns zurück, aber nicht um". Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend nannte Clement Schritt eine "völlig unpolitische Reaktion, die nur seinem Naturell als Sturkopf geschuldet ist". Aus dem rechten Seeheimer Kreis der SPD hieß es, der Austritt sei "für all diejenigen eine große Enttäuschung, die für seinen Verbleib in der SPD gekämpft" hätten.
Weniger emotional zeigte sich die SPD-Linke. Parteivize Andrea Nahles bezeichnete die Rüge für Clement als "fairen Weg", den er abgelehnt habe: "Dann gilt: Reisende soll man nicht aufhalten." Björn Böhning, Sprecher der Demokratischen Linken in der SPD, sagte: "Die Partei wird es verkraften."
Scheer sagte der "netzeitung", Clement hätte diese Konsequenz schon vor einigen Monaten ziehen können, wenn er ein Gespür für Fairness gegenüber der eigenen Partei hätte. "Der verleumderische Vorwurf Clements, die von Andrea Ypsilanti und mir vertretene Energiepolitik bewirke eine Deindustrialisierung, ist komplett abwegig", so Scheer. Das Gegenteil sei der Fall: "Ein riesiger industrieller Schub hin zur Verbreitung neuer Energietechnologien sowohl im Bereich der erneuerbaren Energien als auch in der Steigerung der Energieeffizienz ist zu erwarten. Jeder, der nachdenkt, weiß, dass dies der große Jobmotor der Zukunft ist. Dies als Deindustrialisierung abzuqualifizieren zeigt, wie abgestanden und zugleich abgehoben Clement denkt. Sein energiepolitisches Verständnis steht im umgekehrten Verhältnis zur Penetranz seines Auftretens." Clement lebe in einer überkommenen Gedankenwelt, unfähig, die Erfordernisse einer Energiewende zu erkennen, so Scheer.
Union und FDP werteten Clements Austritt als Ausdruck fehlenden wirtschaftlichen Sachverstandes in der SPD. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte, Clements Schritt sei ein klares Signal, dass "vernünftige bürgerliche Sozialdemokraten" und wirtschaftliche Vernunft "keine Heimat mehr in der SPD haben". Der Generalsekretär der NRW-FDP, Christian Lindner, ermunterte Clement zur Mitarbeit. Es gebe ein hohes Maß an Übereinstimmung mit seinen Positionen.
Beck wertet Clements Austritt als folgerichtig Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), der von den Medien als SPD-Vorsitzender weggemobbt wurde, sieht den Austritt von Clement aus der SPD als folgerichtigen Schritt. "Ich finde, dass es ein Zeichen dafür ist, dass das Verfahren gerechtfertigt war", sagte Beck mit Blick auf das Parteiausschlussverfahren gegen Clement, das mit einer Rüge geendet hatte.
"Ich bin sehr für Meinungsfreiheit in der SPD, und dass wir plural aufgestellt sind", so Beck. Als Bundesvorsitzender habe er sich seinerzeit auch dafür eingesetzt, dass Clement nicht ausgeschlossen werde. Allerdings entspreche Clements Verhalten auch nicht seiner Vorstellung von "politisch verantwortlichem Umgehen" mit einer Partei. "Man führt nicht eine Partei vor, die einem doch die Chance gegeben hat, in Spitzenpositionen zu kommen", kritisierte Beck.
Eine Partei sei "ja kein Neutrum", sondern der Zusammenschluss von "zig Tausenden" von Menschen und Ehrenamtlern, die gleich dächten und ein gemeinsames Ziel verfolgten, sagte Beck weiter. Diesen Leuten sei man als Politiker in einer Spitzenposition auch verantwortlich. "Wenn man irgendwann mal relativ hoch geflogen ist, sollte man das nicht aus den Augen verlieren", betonte Beck. Die SPD sei zudem beim Austragen von Konflikten "nicht besser und nicht schlechter als andere Parteien, sie trägt die Dinge nur öffentlich aus", fügte er hinzu.
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Am 25. Nov. 2008 unter:
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