Erdbeben legte japanisches Atomkraftwerk lahm
Atomkraftgegner umringen RWE-Zentrale mit Großwerbeflächen
Atomkraftwerke gehören nach Auffasssung von Christoph Bautz vom Online-Netzwerk Campact "einfach nicht in Erdbebengebiete". Das zeige das Beispiel Kashiwazaki-Kariwa in Japan: Dort gebe es viel Erfahrung mit Erdbeben "und trotzdem waren die Kraftwerksbetreiber beim schweren Beben im Juli 2007 fürchterlich überrascht, weil Bodenbeschleunigungen auftraten, die die offiziell angenommenen Extrema für diesen Standort um das Zweieinhalbfache überschritten haben. Bis heute steht das Kraftwerk still", so Bautz.
"Wegen solcher Risiken hat Konzernchef Jürgen Großmann Probleme, das Projekt im Aufsichtsrat zu verkaufen", so Heffa Schücking von der Umweltorganisation Urgewald. "Bisher hat er dort keine Mehrheit für Belene." Deshalb führen man die Kampagne "FINGER WEG" weiter und fordere zu weiteren Protesten auf. "Wir wollen RWE klarmachen wie groß das Risiko von Projekten wie Belene und Cernavoda für den Ruf des Konzerns ist", so Schücking. Schließlich hätten bislang schon rund 20.000 Menschen direkt bei Herrn Großmann protestiert und 15.000 bei den Aufsichtsräten von RWE. Mit den Plakatwänden wollen die Atomkraftgegner nun zusätzlich "direkt Menschen auf der Strasse ansprechen".
RWE will 1,5 Milliarden Euro in den Bau des Atomkraftwerks Belene in Bulgarien investieren. Der Konzern bewirbt sich außerdem um eine Beteiligung an den Atomkraftwerksblöcken Cernavoda-3 und -4 im Süden Rumäniens. Beide Projekte wurden zu Sowjetzeiten geplant und nach der Wende verworfen. Sie liegen in einer Region, in der regelmäßig starke Erdbeben stattfinden und gelten deshalb als zwei der risikoreichsten Atomprojekte, die derzeit in Europa geplant sind.
Das Belene Projekt steht kurz vor einer Entscheidung bei RWE. 1983 warnten selbst sowjetische Wissenschaftler vor dem Bau dieses Atomkraftwerks. Selbst der ehemalige Chef der bulgarischen Atomaufsicht, Georgui Kastchiev, kritisiert das Projekt.
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