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Jungwähler fürchten Rückkehr der Studiengebühren durch CDU in Hessen

Angst vor Koch

Gerrit Gissel hat vor der Landtagswahl am Sonntag ein ungutes Gefühl. "Ich freue mich schon, dass ich am Sonntag erstmals wählen darf, aber die Umstände passen mir weniger", sagt der 18-Jährige. Denn über das Wahlergebnis im Januar 2008 hatte sich der stellvertretende Vorsitzende der Landesschülervertretung eigentlich gefreut. "Aber dann wurde das Wahlergebnis kaputtgeredet mit Fehlern auf allen Seiten", klagt Gissel. Er ist einer von rund 56.000 jungen Wählern, die am Sonntag erstmals ihre Stimme abgeben dürfen. "Ich werde SPD wählen, auch wenn es unrealistisch ist, dass es noch mal ein so gutes Ergebnis geben wird", sagt der Zwölftklässler der Gesamtschule Gießen Ost.

In seiner Jahrgangsstufe seien viele, die bei ihrem ersten Urnengang die Grünen wählten. Ein Teil der eher links orientierten Erstwähler wolle aber aus Enttäuschung über die Querelen 2008 gleich zu Hause bleiben. "Ich habe von vielen gehört, dass sie gar nicht wählen gehen wollen, weil 'die' das ja nicht hinbekommen haben", berichtet Gissel.

Auch bei Gissels Mitschüler Maximilian Remy hält sich die Freude, erstmals wählen zu dürfen, in Grenzen: "Ich hätte lieber die linke Mehrheit im Landtag gehabt, als die nun vermutlich kommende neoliberale-konservative Mehrheit". Wie Remy tendieren viele junge Wähler eher zum linken Spektrum, da sie wie Gissel befürchten, dass die CDU die im Sommer abgeschafften Studiengebühren "durch die Hintertür" wieder einführen will.

"Das hat CDU-Ministerpräsident Roland Koch geschickt gemacht, weil er die Wiedereinführung jetzt als Zugeständnis an die FDP verkaufen kann", vermutet der 18-Jährige mit den Leistungskursen Physik und Geschichte. Sein Mitschüler Michel Bietz sieht es ein bisschen radikaler. Er sei der festen Überzeugung, dass weitere fünf Jahre "neoliberale und reaktionäre Politik nicht erträglich sind".

Insgesamt, glaubt Gissel, habe das Hickhack nach der vergangenen Wahl der Demokratie geschadet. Auch vom derzeitigen Wahlkampf ist der politisch interessierte Schüler enttäuscht: "Es ist kein wirklich inhaltlicher Wahlkampf, und auch auf den Wahlplakaten zeigen die Kandidaten nur ein sympathisches Lächeln." "Wenig spektakulär im Vergleich mit dem vergangenen Jahr" findet auch Jonas Zessin von der Gesamtschule Gießen Ost den Wahlkampf. Trotzdem verfolge er ihn mit Spannung. Insgesamt sind den Schülern Inhalte wichtiger als Äußerlichkeiten. Man wolle schließlich wissen, wen, und vor allem welches Programm man wähle, betont Zessin.

Von der künftigen Landesregierung wünschen sich die Schüler vor allem Verbesserungen am Schulsystem. "Kleinere Klassen, besser ausgebildete Lehrer, die auf dem laufenden Stand der Pädagogik und der Technik sind, und außerdem Schule, die Spaß macht", fasst Remy zusammen.

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