Brisantes Leck
Koch lässt Atomkraftwerk Biblis trotz Radioaktivitäts-Austritt weiterlaufen
Das Atomkraftwerk Biblis B ist laut IPPNW gegenüber Dampferzeuger-Heizrohrlecks "besonders schlecht geschützt". Der Atomkraftwerksblock weise nachweislich 17 schwerwiegende Sicherheitsmängel zur Beherrschung dieser hoch-komplexen Vorkommnisse auf.
Wegen des gewaltigen Gefährdungspotenzials dürfe es eigentlich noch nicht einmal zu einer solchen Kleinstleckage kommen, wie sie sich in Biblis nun am 10. Januar offenbar erneut ereignet habe. "Eigentlich muss RWE Vor-Schädigungen an den Heizrohren entdecken, lange bevor es zu einem Leck, also zu einem wand-durchdringenden Schaden an einer solchen Rohrleitung kommt", so der IPPNW-Sprecher. "Dass es nun aber erneut, wie schon 1998 – damals trotz einer förmlichen Vorwarnung – zu einem Leck kommen konnte, zeigt, dass RWE diese gefährliche Technik nicht im Griff hat. In Biblis kann es jeden Tag zum Super-GAU kommen. Ein Weiterbetrieb dieses Atomkraftwerks, wie von Roland Koch favorisiert, ist völlig unverantwortlich."
Von einem Super-GAU in Biblis wären Millionen Menschen in Hessen wie auch in ganz Deutschland betroffen. Nach Auffassung der IPPNW ist es aber bereits unverantwortlich, dass die hessische Atomaufsicht das Atomkraftwerk Biblis mit dem aktuellen Leck einfach weiterlaufen lässt, so als wäre nichts geschehen. "Wenn die offiziell angegebene Menge der in Biblis ständig austretenden Radioaktivität auch nur ein Tausendstel des zulässigen Tages-Grenzwertes betragen soll, wie von RWE und der Landesregierung dargestellt, dann ist zu berücksichtigen, dass Tages-Grenzwerte Radioaktivitäts-Spitzen darstellen, die möglicherweise bei strahlen-empfindlichen Kindern in der Nahumgebung Krebs und Leukämie auslösen können. Eine offiziell bei nur einem Tausendstel der zulässigen Grenzwerte liegende Radioaktivität führte in der allseits gelobten Studie des atomenergie-freundlichen Mainzer Kinderkrebs-Registers zu dem Ergebnis, dass Kinder in der Nahumgebung deutscher Atomkraftwerke vermehrt an Krebs erkranken."
Die Regierung Koch handelt nach Auffassung der Ärzteorganisation vor diesem Hintergrund "völlig verantwortungslos, wenn sie das Atomkraftwerk mit dem Leck einfach weiterlaufen lässt". Das Vorsorgeprinzip verlange zwingend, mögliche Gefahrenquellen sofort abzuschalten, spätestens dann, wenn durch ein Leck Radioaktivität in die Umwelt freigesetzt werde. "Vor allem aber müssen wir endlich nüchtern realisieren, dass es in Biblis jeden Tag zu einem kritischen Dampferzeuger-Heizrohrleck und damit mitten in Europa zur Atomkatastrophe kommen kann. Dies gilt es zu verhindern und deshalb muss dieses gefährliche Atomkraftwerk umgehend abgeschaltet werden", fordern die Atomkritiker.
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